Heyme hinterlässt “Scherben” zum Abschied

Lear, Lindenberg, Brettl Lieder und mehr bietet das Programm der 13. Ruhrfestspiele Recklinghausen. Der Festivalleiter verabschiedet sich mit Euripides.

Von Marion Meyer

Athen. “Les Adieux” heißt ein Abschiedsabend von Franz Wittenbrink für die Hamburger Kammerspiele, der nicht nur für das traditionsreiche Haus in der Hansestadt als Motto gilt. Auch in Recklinghausen, wo Wittenbrinks Revue bei den diesjährigen Ruhrfestspielen (1.5.-15.6.) gezeigt wird, heißt es Abschied nehmen. In Athen stellte Festivalleiter Hansgünther Heyme sein letztes Programm für die Ruhrfestspiele vor, die künftig der Berliner Volksbühnen-Chef Frank Castorf leiten wird. Doch wer gedacht hatte, Heyme würde nach 13 Jahren mit einem leisen Servus gehen, irrte. Die Enttäuschung über die abgesagte Händel-Oper “Saul” und das Mnouchkine-Projekt, die als Kooperationen mit der Ruhr Triennale entstehen sollten, konnte er nur mühsam unterdrücken. Bisher sei von dem neuen Ruhr-Festival kein Impuls in die Region getragen worden. Trotzdem wünsche er ihm im zweiten Schritt dieses Jahr Erfolg, so Heyme.

“Bessere Welten” heißt das Motto der 13. Ruhrfestspiele, die 17 Produktionen umfassen. Den Plural wählte der Festivalchef bewusst, denn Bush und El Kaida stehen für sehr unterschiedliche Welten. Im Singular wären wir mit dieser Welt schon weiter.”

Die griechische Hauptstadt passt zu Heymes neuer Produktion. “Scherben - Fragmente des Euripides” umfasst Material aus sieben, nur bruchstückhaft vorhandenen Stücken sowie Dialogreste und kürzere Textpassagen des antiken Dichters. Zu dem Abend liefert der griechische Regisseur Theodoros Terzopoulos, der in Düsseldorf kürzlich “Die Bakchen” inszenierte, das Gegenstück. Er erarbeitet “Scherben -Fragmente des Aischylos”. An fünf Abenden werden in Recklinghausen beide Aufführungen zu sehen sein. Als Gastspiel aus Madrid kommt außerdem Heymes “König Lear” ins Ruhrgebiet, der gerade im Madrider Teatro de La Abadia Premiere feierte.

Hamburg, die Mitgründerstadt der Ruhrfestspiele, bildet in diesem Programm einen Schwerpunkt. Neben Wittenbrinks “Les Adieux” erwartet die Zuschauer im Ruhrgebiet ein weiteres musikalisches Highlight: Udo Lindenberg zeigt eine Hommage an die emigrierten Künstler Weill, Eisler & Co. in seiner Revue “Atlantic Affairs”. Ausschnitte aus der Show stellte der extra angereiste Hamburger “Panik”-Rocker mit Hut in Athen gleich selbst vor.

Regie-Altmeister Peter Stein kommt zum ersten Mal nach Recklinghausen. Er spürt in einem Abend mit Maddalena Crippa “Kundrys Schwestern” nach und nähert sich mit ?Schönberg Kabarett” in Variete-Form den Gedichtvertonungen “Pierrot Lunaire” und den “Brettl-Liedern”. Mit Thomas Ostermeiers “Nora” vollziehen die Ruhrfestspiele den Brückenschlag vom ehemaligen zum jetzigen Leiter der Berliner Schaubühne.

Seinem europäischen Motto bleibt das Festival auch in diesem Jahr treu. Neben den genannten Produktionen kommen auch Gastspiele aus weiteren fünf Ländern, darunter der beliebte Cirque Plume aus Frankreich oder (zum ersten Mal) das Cairo Dance Theatre.

Kartenvorverkauf unter Tel. 02361 / 92180.

Das gesamte Programm der Ruhrfestspiele findet man im Internet unter http://www.ruhrfestspiele.de Quelle: WZ, Wuppertal

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