Wunderschön farbige Weihnachts-Einstimmung
RECKLINGHAUSEN: “Geburt Christi” im NPhW-Konzert
Welch wunderschön farbige Einstimmung auf das Weihnachtsfest - “Die Historie von der Geburt Jesu Christi”, ein Juwel im Schaffen des großen Komponisten Heinrich Schütz (1585-1672).
VON BRUNH1LD SCHMELTING
Das Werk wurde im dritten Abonnementkonzert der Saison von der Neuen Philharmonie Westfalen (NPhW) und dem Städtischen Chor Recklinghausen gemeinsam aufgeführt, und das Publikum in der Christuskirche ließ sich sogleich gefangen nehmen vom Kolorit dieser Musik, in der Naivität und Märchenzauber eines alten Krippenspiels eingefangen sind. Formal ist das Werk kunstvoll gefügt:
Zwischen vierstimmig gesungenem “Eingang” und “Beschluss” liegt der Part des Evangelisten. Kern der Historie ist die Geschichte von der Geburt Jesu nach dem Evangelisten Matthäus. Schütz erweiterte sie um den Besuch der Könige aus dem Morgenland, den Kindermord des Herodes, die Flucht nach Ägypten sowie die Rückkehr nach Nazareth.
Hier bestachen Chor und Orchester unter der einfühlsamen Leitung von Wolfgang Fromme durch einen sehr fein nuancierten Vortrag, und auch die Stimmen der Solisten (Angelika März, Sopran/ Ursula Breuing, Alt/ Wolfgang Fromme, Altus/ Hermann Bromenne, Tenor/ Albert Göken, Bass/ Heribert Feckler, Bass) fügten sich zu einem harmonischen Ganzen.
Rührende Idylle
Vor allem gefiel Dantes Diwiak als Evangelist; sein fein timbrierter Tenor vermochte hier lyrische wie dramatische Inhalte wunderschön darzustellen. Kunstvoll konzipiert zeigten sich auch die Intermedien, vom Chor, den Solisten und einem jeweils ganz charakteristischen Instrumentarium getragen. So wurde der Engel (Sopran) von Gamben begleitet, während den Hirten (Alt, Altus, Tenor) Blockflöten und Fagott zugeordnet waren und die Macht des Königs Herodes (Bass) durch Trompeten und Generalbass verdeutlicht wurde. Hier zeigte sich die Geschichte von Bethlehem als wunderbare und doch anheimelnde, in ihrer Schlichtheit rührende Idylle.
Der Weihnachtshistorie waren eine äußerst subtil gestaltete achtstimmige Motette (”O magnum mysterium”) von Giovanni Gabrieli (1553-1612) und das farbigbeschwingte “Magnificat” des Francesco Durante (1684-1755) vorausgegangen. Und zuvor hatten drei Sätze aus Olivier Messiaens Meditation “La Nativite du Seigneur” (1936), von Karl Echle an der Orgel in aparten Klangwirkungen dargestellt, auf die weiteren Werke des Abends eingestimmt.
Quelle: Recklinghäuser Zeitung