St. Michael: Eltern treffen sich heute
Der Kindergarten der katholischen Kirchgemeinde St. Michael in Hochlarmark wird überplant. Dass ist die neudeutsche Umschreibung für Abriss. Ersatz ist nicht in Sicht. Wie und ob es überhaupt weitergehen wird, weiß Silke Vespermann als Elternratsvorsitzende nicht.
Vespermann bestätigte gestern auf WAZ-Anfrage, dass der Elternrat und die neun Mitarbeiter erst an Montag vor einer Woche mündlich, die Eltern am Tag danach per Brief informiert worden seien. „
Auf die Frage, warum dies so spät geschehen ist, antwortete Pastor Prinz uns, dass das noch eine Woche zu früh passiert sei. Durch ein Versehen im Kindergarten.“
Die Mauern des Gebäudes sollen im Sommer 2005 fallen- wie auch das marode Pfarrheim nebenan, an dessen Stelle ein Seniorenheim der Caritas gebaut wird. Der Architektenwettbewerb dafür wurde im vergangenen Sommer ausgeschrieben, schon da stand die Entscheidung gegen die Kindereinrichtung im Prinzip fest, ohne mitgeteilt worden zu sein.
Der offizielle Grund für die Überplanung des Kindergartens: Auch er soll marode sein, Schwamm im Kellerbereich aufweisen und in drei Jahren völlig hinüber sein. Der Elternrat untersuchte den Raum gestern mit einem fachkundigen Handwerksmeister und konnte nichts finden. Vespermann: „Der Raum ist furztrocken.“
Für den Elternrat steckt Methode hinter dem Vorgehen. Der Kindergarten, den ab Sommer 50 Kinder besuchen soll ihrer Meinung nach auslaufen. Angedachte Ersatzräume, etwa in der Grundschule an der Westfalenstraße, könnten bis dahin gar nicht umgebaut werden. Ganz davon zu schweigen, dass weder Bistum noch Stadtkasse finanzielle Rücklagen dafür zur Verfügung stellen könnten.
Bleiben am Ende die Fragen, warum in den Bau des Caritas-Seniorenheims nicht die Integration zweier Kiga-Gruppen eingeflossen ist. Und warum Mitarbeiter und Eltern erst jetzt informiert worden sind, wo vielleicht nichts mehr zu retten sein wird.
Pastor Michael Prinz konnte darauf gestern keine klaren Antworten geben. Heute stellt er sich der Elternversammlung, die der Elternrat für 20 Uhr (Pfarrsaal) einberufen hat.
Eltern wollen sich mit allen Mitteln wehren
Kindergarten-Abriss in St. Michael spaltet die Gemeinde
Pastor Michael Prinz und der Kirchenvorstand der katholischen Gemeinde in Hochlarmark dürfen sich auf eiskalte Zeiten einrichten. Die Eltern wollen den Abriss des Kindergarten nicht hinnehmen.
Die Mütter und Väter im Süden Hochlarmarks sind sauer. Sie fühlen sich verkauft und belogen. Diese deutlichen Worte fielen gestern im Gespräch der Elternvertreter mit der WAZ.
Pastor Prinz wird vorgeworfen, entscheidende Informationen zurückgehalten zu haben, um die Rettung des Kindergartens nahezu unmöglich zu machen. „Der Kapitän ist in diesem Fall wohl als erster vom Bord gegangen“, stellte die Elternratsvorsitzende Silke Nohlen-Vespermann fest.
Nach WAZ-Informationen hat sich die Tendenz, das Kindergartengebäude abreißen zu wollen, bereits im Frühjahr angedeutet. Da wurden diese Einrichtungen auf einem Treffen der Kirchenvorstände und Dekanatsebene klassifiziert. Die Wertungen gingen von eins bis vier. Laut Pastor Prinz gab es für St. Michael eine 4b.
Im Sommer schließlich fiel die Entscheidung für ein Caritas-Seniorenheim und gegen das Gebäude hinter dem maroden Pfarrheim, in dem der integrativ arbeitende Kindergarten zu Hause ist. Noch immer ohne die neun Mitarbeiter oder die Eltern über die Absichten in Kenntnis zu setzen.
Das vor allem können die Elternvertreter nicht fassen.
Die Feststellung das Gebäude zeige schwerwiegende Schäden auf, finden sie absurd. Ein Handwerker schaute sich den angezeigten Schaden an und stufte ihn als harmlos ein. Auch Architekt Hubert Hiltrop glaubt das nicht, er plante das Haus im Jahr 1960.
Blickt man auf die Investitionen der ergangenen fünf Jahre, wird es für die Eltern noch unverständlicher, dass der angebliche Wasserschaden nicht einfach repariert worden ist. 1997 wurden 100.000 DM in die Renovierung des Nassbereichs und des Intensivraumes gesteckt. 1999/2000 flossen 100.000 DM in die Gestaltung des Außenbereichs. 2001 waren 6.500 DM für den Innenanstrich, anschließend wurden für rund 12.000 Euro Unterstände eingerichtet, zweite Ebenen in Gruppenräume eingezogen.
Für die Eltern ergeben die Nachrichten in Summe nur ein Ergebnis: „Wir sind im Weg und nicht mehr gewollt.“ Und das angesichts einer Cartias-Inestition von 5 bis 6 Mio. Euro kein Geld vorhanden sein soll, 50 Kinder zu integrieren, ist für sie ein Rätsel.
Pastor bleibt Antworten schuldig
St. Michael: Kirchenvorstand hat Kindergarten-Abriss bereits beschlossen / Eltern kündigen für Sonntag eine Demo an.
Ausgerechnet kurz vor dem Fest der Liebe, kracht es in der Gemeinde St. Michael. Der geplante Abriss des Kindergartens erhitzt die Gemüter. In einer vom Elternrat initiierten Versammlung stellten sich Pastor Michael Prinz und Reinhard Klein vom Kirchenvorstand am Mittwochabend den Fragen.
Wie bereits berichtet, soll die Einrichtung einem Seniorenheim weichen, das der Caritasverband errichten will. Die meisten der 80 Mütter und Väter verließen das Pfarrheim nach zwei Stunden bitter enttäuscht. Am Ende einer emotional geführten Debatte standen viele offene Fragen und die Erkenntnis, dass der angedachten Standortverlagerung in die Westfalenschule alles andere als ein schlüssiges Konzept zugrunde liegt.
Nur eins ist nun klar: Der Kirchenvorstand fasste den einstimmigen Beschluss zum Abriss bereits am 29. November. Pastor Prinz begründete das Votum mit der „maroden Bausubstanz”, mit „Schimmel an Kellerwänden” und „defekten Abflussleitungen”. „Wir hatten zwei Möglichkeiten – entweder Weiterführung des Kindergartens - dann sähe die Zukunft in zwei oder drei Jahren düster aus - oder aber die Möglichkeit: Abriss des jetzigen Gebäudes und Suche nach Ersatzräumlichkeiten.”
Prinz berief sich auf das Urteil eines Bauexperten des Bistums. Ein Gutachten liegt allerdings nicht vor. Dem Urteil des Kirchenvertreters schloss sich Architekt Hubert Hiltrop (er hatte das Gebäude 1960 geplant) nicht an. In den Jahren 95 bis 97 seien Sanierungen für über 200 000 DM durchgeführt, worden. „Die kleinen Schäden im Kelter lassen sich, zudem mühelos beseitigen.“
Perspektive fehlt
Die explosive Stimmung drohte zu eskalieren, als sich Volker Hülsmann, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie, zu Plänen der Kirchengemeinde äußerte, den Kindergarten in die Westfalenschule zu verlagern. Zuvor hatte Pastor Prinz zuversichtlich betont, die Gespräche mit der Stadt seien auf einem guten Weg. Hülsmann: „Wir wissen erst seit zwei Wochen davon. Außerdem soll die Westfalenschule im Jahr 2006 offene Ganztagsgrundschule werden. Und eins ist klar: Eine Ganztagsgrundschule und ein Kindergarten können bei dem vorhandenen Platz vermutlich nicht parallel angeboten werden. Und wenn, wäre es mit enormen Kosten verbunden. Außerdem legt die Stadt Wert auf eine bunte Trägerlandschaft und hofft, dass die Kirche Träger bleibt.”
Angesichts der derzeit fehlenden Perspektive, fragte eine Mutter: „Wo sollen unsere Kinder jetzt hin?”, und brachte damit die Sorgen der Eltern auf den Punkt. Um Hoffnung bemüht, sagte Kindergartenleiterin Barbara Pütz; „Eltern, Kinder und Mitarbeiter kämpfen um dieses Haus. Und vielleicht lassen sich die Pläne soweit abändern, dass der Kindergarten doch noch ins Seniorenheim integriert werden kann.” Der Elternrat hat bereits eine weitere Aktion angekündigt. Am Sonntag werden Mütter und Väter um 17 Uhr auf dem Kirchplatz gegen den Abriss demonstrieren.
Eine schwere Prüfung
St. Michael: „Kindergarten-Krise lässt sich nur über ehrliche Gespräche lösen.
Der Abriss ist beschlossen, ein neuer Standort für den Kindergarten (noch) nicht in Sicht. Die Gemeinde St. Michael steht kurz vor dem Jahreswechsel vor einer schweren Prüfung.
Um diese zu bestehen, sollten Eltern, Kirchenvorstand und Caritasverband intensive Gespräche führen – auf gleicher Augenhöhe, mit offenen Karten und dem gemeinsamen Ziel, der Kindergartenarbeit in St. Michael einen Weg in die Zukunft zu ebnen.
Der Kirchenvorstand und Pastor Michael Prinz der – trotz aller Kritik – bei der Elternversammlung auch Lob für seine bisher geleistete Kindergartenarbeit erntete, sollten die Entscheidung pro Abriss noch einmal überdenken.
Eventuell kann es die massive Ablehnung auch in positive Energie umwandeln, die die Entscheidungsträger beim Bistum in Münster zum Umschwenken animieren könnte. Jede Krise birgt schließlich Chancen für einen Neuanfang. Auch der Caritas-Vorstandsvorsitzende Ludger Twachtmann hat seine Bereitschaft signalisiert über das Model, den Kindergarten im Seniorenheim zu integrieren, zu diskutieren.
Wenn alle Beteiligten Kompromissfähigkeit beweisen und ihre finanziellen Möglichkeiten bündeln, stehen viele Türen offen – vor allem für die Kinder.
Zeichen der Solidarität
St. Michael: Demo vor der Kirche
Mit einer Demonstration vor der St. Michael-Kirche rückten Eltern und Kinder ihren Protest gegen den geplanten Abriss des Kindergartens gestern Abend ins Blickfeld der Öffentlichkeit
„Wir wollten mir den Aktion ein breites Publikum ansprechen – das ist uns gelungen“, freute sich Silke Nohlen-Vespermann, Sprecherin des Elternrates, über die breite Resonanz. Neben Kindern und Erzieherinnen vom benachbarten Kindergärten, schlossen sich vor dem Haupteingang des Gotteshauses auch viele „unbeteiligte“ Gemeindemitglieder dem Elternprotest an. Wie Reinhold Niemczyk: Meine Kinder sind zwar schon schulpflichtig, aber es geht hier um die Zukunft der Gemeinde. Der Ortsteil wird für Familien mit Kindern immer unattraktiver.“ Auch Harald Pfeifer verließ die warme Stube und zeigte sich solidarisch: „Das Seniorenheim braucht den Zugang zum Michaelspark, deswegen soll der Kindergarten weg. Das mache ich nicht mit.“ Mit Plakaten und Unterschriftenlisten ausgestattet, bildeten die Kinder ein Spalier und machten auch die Besucher des gestrigen Weihnachtskonzert mit dem MGV Liederkranz beim Verlassen der Kirche auf ihren Protest aufmerksam. Die Erzieherinnen stimmten mit den Jungen und Mädchen dabei das Lied „Gottes Liebe ist so wunderbar“ an.
Die gestrige Demo soll nur der Auftakt gewesen sein. Im nächsten Schritt ist eine Mahnwache geplant. Um die Aktionen finanzieren zu können, wird um Spenden gebeten.