Archive for the ‘Ausbildung’ Category

Kritik an CDU-Kampagne gegen Green Card

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Postkartenaktion stößt auf Unverständnis - Hundt: Undurchdacht und populistisch

Berlin/Köln - Die Kampagne der nordrhein-westfälischen CDU gegen die von der Bundesregierung angekündigte ”Green Card” für ausländische Computerexperten ist auf breite Kritik gestoßen. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) nannte die Aktion des CDU-Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl, Jürgen Rüttgers, eine ”dumpfe Stimmungsmache”. Sie warf Rüttgers vor, er trage als ihr Vorgänger die Verantwortung für den Fachkräftemangel in der Computerindustrie.

SPD: Rüttgers hat Entwicklung verschlafen
SPD-Generalsekretär Franz Müntefering ergänzte, Rüttgers habe als ”Zukunftsminister” in der alten Bundesregierung die Ausbildung von Computerexperten ”verschlafen”. Während Regierung und Wirtschaft handelten, um mehr Ausbildungsplätze in der Informationstechnologie zu schaffen, klopfe Rüttgers dumme Sprüche.

Der nordrhein-westfälische CDU-Chef Rüttgers hatte am Donnerstag angekündigt, mit Postkarten und Plakaten gegen die Green-Card-Initiative mobil zu machen. Das Motto der bis zum Wahltag am 14. Mai geplanten Kampagne lautet ”Mehr Ausbildung statt mehr Zuwanderung”. Die Bundesregierung will in den kommenden Monaten bis zu 20.000 Computerexperten aus Nicht-EU-Ländern befristete Arbeitsgenehmigungen erteilen, um dem Fachkräftemangel in der Branche zu begegnen.

Harsche Kritik aus der Wirtschaft
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte, die CDU-Slogans seien ”populistisch” und ”unhaltbar”. Rüttgers’ Aktivitäten seien unangemessen und gingen an den Notwendigkeiten des Arbeitsmarktes für Computerexperten vorbei.

Grünen-Fraktionschefin Kerstin Müller sagte, Rüttgers entpuppe sich mit seiner Kampagne als Rechtspopulist. Er schüre Ängste und wolle fremdenfeindliche Stimmungen in Stimmen für die CDU ummünzen. Der nordrhein-westfälische FDP-Chef Jürgen Möllemann sagte, er sei gegen die Kampagne, weil sie einen falschen Eindruck erwecke. In einer hochspezialisierten Wirtschaft würden immer wieder auch ausländische Arbeitskräfte gebraucht.

Rüttgers verteidigt sich
Rüttgers wies den Vorwurf des Populismus zurück. Über 60 Prozent der Menschen in Nordrhein-Westfalen hielten die Green-Card-Initiative für keine gute Lösung, sagte er. Zu Hundts Kritik sagte Rüttgers, er könne verstehen, dass die Großindustrie offene Stellen möglichst schnell besetzen wolle. Der Mangel an Computerexperten müsse jedoch durch Umschulungen, Weiterbildungskurse und mit Hilfe junger Leute, die bald die Ausbildung abschließen, behoben werden.

Die designierte CDU-Vorsitzende Angela Merkel äußerte sich zurückhaltend zu Rüttgers Kampagne. ”Eine grundsätzliche Debatte über Bildungspolitik und zukunftsfähige Ausbildungsplätze ist in Deutschland dringend notwendig und das will Jürgen Rüttgers”, erklärte Merkel in Berlin.

Bundeskanzler Schröder präzisiert Pläne für die so genannte ‘Green Card’

Mittwoch, Juli 16th, 2008

EDV-Experten aus Indien sollen in Deutschland die IT-Branche vorwärts bringen.

Berlin - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will bis zum Sommer die Möglichkeiten für die befristete Arbeit ausländischer Computerexperten in Deutschland schaffen. In den nächsten drei bis vier Monaten sollten die entsprechenden Verordnungen zum Aufenthalts- und Arbeitsrecht in Kraft treten, sagte Schröder am Montag in Berlin. Er will bis zu 20.000 ausländische Computerexperten ins Land holen, um den großen Mangel an inländischen Fachkräften auszugleichen. Die Arbeitserlaubnis soll auf maximal fünf Jahre begrenzt werden, um kein dauerndes Aufenthaltsrecht zu begründen.

Eventuell müssen Schröders Vorschläge noch etwas nachgebessert werden. Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses Penner sagte im Deutschlandfunk, man müsse den ausländischen Spezialisten auch etwas bieten. In sechs Monaten werde man wissen, ob die Initiative von Bundeskanzler Schröder so ausreiche oder nicht.

Gewerkschaften kritisieren Pläne
Unterdessen hielt die Kritik an den Plänen des Bundeskanzlers an. Der Chef der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), Roland Issen, sagte der Kölner Tageszeitung ”Express” (Dienstag): ”So lange die Wirtschaft ihren Bedarf an Fachleuten nicht eindeutig beziffert, bleibe ich bei meiner Skepsis gegenüber einer Green Card.” Ende Februar seien bei den Arbeitsämtern 31.881 arbeitslos gemeldete EDV-Experten registriert gewesen. ”Ich bezweifele daher, dass der Bedarf an ausländischen Arbeitnehmern tatsächlich so groß ist.” Issen warnte vor einer Ausweitung auf andere Berufe: ”Darin sähe ich eine Gefährdung des sozialen Friedens. Die Chancen vieler Arbeitsloser auf Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt würden sich verschlechtern.”

Green Cards an Bedingungen knüpfen
Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) regte an, die Green Cards auch an Bedingungen für Unternehmen zu knüpfen. ”Das Unternehmen sollte selbst aus- und fortbilden”, sagte sie ”Neuen Ruhr/Rhein Zeitung” (Essen, Dienstag). Die Bundesregierung strebe eine Verdoppelung der Hochschulabsolventen im Bereich der Informationstechnologien an.

Mehr Geld für Bundesanstalt für Arbeit
Schröder hatte am Montagabend auch angekündigt, die Bundesanstalt für Arbeit solle jährlich statt einer Milliarde Mark nun 1,2 Milliarden Mark zur Aus- und Weiterbildung von Menschen in der Informationstechnologie zur Verfügung haben. Die Wirtschaft habe sich bereit erklärt, von jetzt 30.000 Ausbildungsplätzen in diesem Bereich bis Ende 2003 insgesamt 60.000 Ausbildungsplätze bereitzustellen.

Ausbildung verfehlt Ziel

Mittwoch, Juli 16th, 2008

VER.DI: Gewerkschaft bedauert Azubis beim Amtsgericht

Das Amtsgericht steht in der Kritik der neuen Gewerkschaft ver.di. Vorwurf: Viele Azubis werden nach Lehr-Ende nicht übernommen, sind aber so speziell ausgebildet, dass sie auf dem anderen Arbeitsmarkt keine Verwendung finden.

Diese Situation stelle sich aber auch in einigen anderen Ausbildungsbereichen, tauschte der Vorstand des ver.di-Fachbereichs 6 in der konstituierenden Sitzung seine jüngsten Erfahrungen auf dem Ausbildungsmarkt aus.

Bereich 6 befasst sich mit dem Themenbereich „Bund Länder” und ist einer von 13 Gruppen, in denen die neue Dienstleistungsgesellschaft ver.di ihre Aufgabenbereiche gegliedert hat.

Vornehmliche Aufgabe der 13 Fachbereiche, die sich derzeit im Aufbau befinden, ist die Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit. Arno Breutwieser, Ex-ÖTV- und jetzt hauptamtlicher ver.di-Geschäftsführer, ist sich mit den Vorstandsmitgliedern einig:

„Wir müssen die neue Situation entsprechend publizieren.” ver.di vereint die früheren Einzelgewerkschaften ÖTV, HBV, Medien, Post und DAG. —apw

Quelle Recklinghäuser Zeitung