Jugend hat das Recht zu nerven jetzt schriftlich
Donnerstag, September 11th, 2008PARLAMENT: Einberufung Anfang 2001 / Planer suchen potenzielle Kandidaten
Der Rat der Stadt hat den Beschluss in seiner jüngsten Sitzung gefasst, nun steht der Einrichtung eines Kinder- und Jugendparlamentes (KiJuPa) nichts mehr im Wege. Damit ist Waltrop nach Castrop-Rauxel die zweite Stadt im Kreis, in der Jugendliche ihre eigenes politisch unabhängiges Forum haben. Bei aller Euphorie über den erzielten Erfolg nach mehr als einjähriger Arbeit bleiben die Jugendlichen der KiJuPa-Planungsgruppe realistisch: Für sie gibt es noch eine Menge zu tun.
VON KATHRIN GROCHOWSKI
Doch zunächst durften die KiJuPa-Planer am Montagabend den Dank und die Glückwünsche von Anne Heck, Vorsitzende des Ausschusses für Jugend und Soziales, entgegen nehmen: ”Alle Mitglieder des Rates und des Ausschusses sind davon überzeugt, dass das KiJuPa eine gute Einrichtung ist.” So wird laut Ratsbeschluss künftig ein Vertreter des Nachwuchs-Parlamentes im Ausschuss für Jugend und Soziales vertreten sein, vorläufig jedoch nur in beratender Funktion.
Doch die Jugendlichen haben auch festgeschriebene Rechte: So haben sich beispielsweise die Rats- und Ausschussmitglieder verpflichtet, das KiJuPa über jugendspezifische Vorgänge und Entscheidungen zu informieren. ”Ihr habt das Maximale erreicht: Ihr dürft Euch einmischen, Ihr dürft die Politiker nerven. Und das habt Ihr sogar schriftlich”, sicherte Gottfried Oelenberg (Fachbereichsleiter Jugend und Soziales) den Heranwachsenden seine Unterstützung zu. Darüber hinaus versprach Oelenberg, dass die Stadt bis Ende des Jahres eine halbe Stelle einrichten wird, damit das KiJuPa bei seiner Arbeit zum Beispiel von Schreibkram erleichtert wird. Oelenberg: ”Wichtig ist nun vor allem, dass das KiJuPa und seine Mitglieder von den .großen Politikern ernst genommen werden. Aber ich bin sicher, dass das gelingen wird.”
Das größte Problem haben die jungen Menschen, die eifrig für ihr KiJuPa geplant haben, allerdings noch nicht gelöst: Mit Ausnahme der 16-jährigen Ina Schönfeld sind alle Planer zu alt, um selbst noch aktiv in der Jugend-Politik mitzuwirken. Doch in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis haben die KiJuPa-Vorreiter schon einige potenzielle Kandidaten ausmachen können. ”In der kommenden Woche beginnen, wir mit der Kandidatensuche, damit wir Anfang 2001 das KiJuPa einberufen können”, erklärte Stadtjugendpfleger Andreas Guderian, der das Projekt fachlich begleitete. Pro 100 Schüler soll die Waltroper Jugend einen Abgeordneten zwischen zehn und 18 Jahren stellen.
Aktive Teilnahme an Demokratie
”Das Interesse ist da, jede Jahrgangsstufe wird sicherlich einen Kandidaten finden”, wollen die Planer in den Schulen gezielt zur aktiven Teilnahme an der Demokratie aufrufen. Zudem hoffen sie, dass auch ihre (realistischen) Wünsche später im KiJuPa noch Berücksichtigung finden. ”Wir wollen unsere Ideen gerne einbringen, schließlich sind die Probleme, die uns früher gestört haben, auch heute noch nicht geklärt”, so Andi Grabe.