Archive for the ‘Weltnachrichten’ Category

Brand in vollbesetzter Gletscherbahn

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Wien - Das Inferno im Seilbahn-Tunnel ließ ihnen keine Chance. Mehr als 170 zumeist junge Menschen kamen am Samstag qualvoll in den Flammen der Gletscherbahn am österreichischen Kitzsteinhorn ums Leben. 14 Deutsche und vier Österreicher kamen mit Verletzungen ins Krankenhaus von Zell am See. Die Patienten seien zwischen zwölf und 63 Jahre alt und hätten Schocks, Quetschungen und Rauchgasvergiftungen erlitten, berichteten die Gesundheitsbehörden.

Neun Verletzte stammen aus der Unglücksbahn selbst. Die anderen Verletzten waren im Alpincenter der Bergstation, in die giftige Rauschwaden aus dem Tunnel eindrangen. Die Verletzten - darunter ein Schwerverletzter - seien in verschiedene Kliniken gebracht worden.

Ein Überlebender aus der Bahn berichtete von Panik und Todesangst in der brennenden Seilbahn. Der deutsche Urlauber sagte: ”Viele Leute schrien in Todesangst und versuchten verzweifelt, einen Ausgang zu finden.”

”Zug ist praktisch geschmolzen”

”Der gesamte Zug ist praktisch zerschmolzen”, berichtete ein Helfer vom Ort des Grauens. Vergeblich versuchten Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten die Menschen aus dem giftigen Qualm zu holen, der durch den engen Tunnel bis in die Bergstation zog und selbst dort noch drei Menschen den Tod brachte.

Ob unter den Toten Deutsche sind, war nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin auch am späten Nachmittag noch immer unklar. Mehrere Beamte reisten zum Unglücksort im Salzburger Land, um bei der Identifizierung zu helfen.

Ursache noch ungeklärt

Auch die Ursache des bislang schwersten Seilbahn-Unglücks in Europa blieb bis zum Abend ungeklärt. Fest stand nur, dass der Schwelbrand kurz nach 9 Uhr und etwa 600 Meter nach der Einfahrt in den 3,2 Kilometer langen Bahn-Tunnel ausbrach. Er breitete sich mit rasender Geschwindigkeit aus. Die mit 180 Menschen voll besetzte Bahn wurde zur Todesfalle. Die wenigen Überlebenden waren im hinteren Teil des Wagens, schlugen dort die Scheiben ein und rannten ins Freie.

Die Standseilbahn hatte die meist jungen Leute zu dem Snowboard-Fest zur Saisoneröffnung auf den Gletscher bringen sollen. Das 3.203 Meter hohe Kitzsteinhorn liegt etwa hundert Kilometer südwestlich von Salzburg. Der Gletscher auf dem Gipfel ist ein beliebtes Skigebiet. Die 1974 eröffnete Gletscherbahn führt von Thörl im Kapruner Tal bis zum Alpincenter Kaprun, dem Startpunkt der Pisten.

Kurz nach Ausbruch des Brandes lösten die Behörden Großalarm aus. Die Zufahrt zu dem Alpengipfel wurde großräumig abgesperrt. Unzählige Rettungswagen eilten aus allen Richtungen herbei, über Tausend Helfer waren im Einsatz. Auch die deutsche Bundeswehr und der Bundesgrenzschutz schickten mehrere Hubschrauber. Zusätzlich entsandte die Bundeswehr drei Ärzteteams des Bundeswehr-Krankenhauses Ulm. Von einem Notärzte-Kongress in Salzburg kamen 20 Ärzte an den Unglücksort.

Tod durch Kohlenmonoxid

Doch die Helfer konnten nichts mehr ausrichten. Die Menschen sterben in solchen Fällen meist durch das Einatmen von Kohlenmonoxid, erläuterte der Frankfurter Feuerwehrdirektors Reinhard Ries. Bei der Katastrophe habe es zudem mehrere unglückliche Umstände gegeben. Wegen der starken Neigung des Tunnels seien die Flammen von unten mit Luft versorgt worden: ”Das funktioniert wie ein Schornstein.” Der Seilbahn-Tunnel sei außerdem - anders als viele Straßentunnel - sehr schmal und dadurch die Flucht- und Rettungsmöglichkeiten eingeschränkt. ”Das ist einer der furchtbarsten Einsätze der Feuerwehr.” Von den Toten bleibe nicht viel übrig. Die Identität der Opfer wird nach Einschätzung des bayerischen Innenministeriums frühestens am Sonntag geklärt sein können.

Die Standseilbahn ist nur eine von vielen Möglichkeiten, um auf das Kitzsteinhorn zu kommen. Sie ist 3,8 Kilometer lang, von denen 3,2 Kilometer durch einen Tunnel führen. Bei ihrer Inbetriebnahme 1974 galt sie als technische Meisterleistung. 1994 wurden zwei neue Züge angeschafft, die je 180 Menschen fassen. Standseilbahnen werden meist auf kurzen, geraden Strecken eingerichtet. Die Wagen werden mit Zugseilen auf Schienen auf- und abwärtsbewegt.

Letzte Wartung im Juni 1997

Die Kitzsteinhorn-Bahn ist nach Auskunft der Einsatzleitung in Kaprun zuletzt im Juni 1997 technisch überprüft worden. Das Gesetz schreibe eine Überprüfung alle fünf Jahre vor. Die Betreiber hätten versichert, dass die Anlage erst vor kurzem gewartet worden sei, sagte Landeshauptmann Schausberger. Der Maschinenbau-Ingenieur Klaus Eisenkolb, der die Unglücksbahn wiederholt untersucht hatte, meinte, dass ein gerissenes Zugseil die Katastrophe ausgelöst haben könnte. Das fünf Zentimeter dicke Stahlseil wäre nach dem Riss talwärts gestürzt und hätte große Hitze entwickeln können.

Nach der Katastrophe waren noch etwa 2.500 Skifahrer auf dem Gletscher, die mit einer Achter-Sesselbahn ins Tal gebracht wurden. Danach sollten alle Lifte auf dem Kitzsteinhorn in den österreichischen Alpen gesperrt werden.

Ein vergleichbar schweres Unglück hat sich bei europäischen Seil- und Bergbahnen noch nicht ereignet. Das letzte schwere Unglück liegt mehr als 20 Jahre zurück: 1976 war bei Cavalese in Norditalien eine vollbesetzte Seilbahn-Kabine 60 Meter in die Tiefe gestürzt und hatte 42 Menschen mit in den Tod gerissen. Am Kitzsteinhorn waren erst im vergangenen März zwölf Menschen tödlich verunglückt. Ein gigantisches Schneebrett hatte die Skifahrer, die auf dem Gletscher gerade eine Skilehrer-Ausbildung machten, unter sich begraben.

Verdammt zur Hoffnungslosigkeit Gefangen im Sarg aus Stahl

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Verdammt zur Hoffnungslosigkeit. Mit jedem Atemzug kommt der Tod näher. Was für eine Qual, die die “Kursk”-Seeleute durchmachen müssen.

“Die Angst, dass die Atemluft ausgeht, ist schrecklich”, schildert Gerald McLees, der selbst an Bord des US-U-Bootes “Squalus” versank. Um möglichst wenig Sauerstoff zu verbrauchen, kauern sie bewegungslos. Selbst reden kostet zu viel Luft.

Gespenstisch: Kaum ein Geräusch ist in 108 m Tiefe zu hören. Es ist dunkel, weil der Atom-Antrieb ausgefallen ist.

Und es ist bitterkalt. “Da unten ist es immer 4 Grad. Die Heizung im Boot funktioniert nicht, sie müssen sehr frieren”, sagt Tauch-Experte Peter Mayer aus Hamburg.

Chayim Sheynin versank 1960 an Bord des russischen U-Boots “OProjekt 613″ in der Barents-See: “Ihre Uniformen müssen durchnässt sein, weil ja Wasser ins Boot eindrang. Das macht die Kälte noch unerträglicher. Wahrscheinlich liegen neben denen, die noch am Leben sind, die Leichen der Kameraden.”

Das Schlimmste aber ist, nichts mehr tun zu können. Gerd Kelbling (85) ist Kapitänleutnant a.D., war 1943 im manövrierunfähigen deutschen “U 593:” Ein entsetzliches Schicksal. Zu Beginn so einer Katastrophe, haben U-Boot-Matrosen so viel damit zu tun, den Wassereinbruch zu stoppen. Das ist so hektisch, dass niemand ans Sterben denkt. Doch wenn das geschafft ist, können nur hoffen, dass sie gerettet werden. Das ist das schlimmste Gefühl, das es gibt.” Und mit jeder Sekunde schwindet die Hoffnung. Gerd Kelbling: “Fünf Tage schon da unten. Da ist es fast unmöglich, sich noch Mut zu machen. Da denkst du nur noch, dass du gefangen bist in deinem riesigen Sarg aus Stahl.”

Besatzung im U-Boot - Warum sie nicht aussteigen

Das funktioniert höchstens aus 80 m Tiefe. Die Besatzung muss dafür ihr U-Boot fluten, weil sich wegen des enormen Wasserdrucks sonst gar nicht die Luke öffnen lässt. Alle müssen der Reihe nach durch. Dann nichts wie an die Wasseroberfläche. Dabei hilft der Notkragen (funktioniert wie eine aufblasbare Halskrause, ist Pflicht an Bord jedes U-Boots).

Deshalb ist es für die “Kursk”-Seeleute keine Rettung: “Sie liegen 108 m tief. Der Weg nach oben ist viel zu weit. So lange kann niemand die Luft anhalten. Dabei würden sie alle draufgehen”, sagt Profi-Taucher Klaus Mayer.

Zur Rettung der “Kursk”-Besatzung - Britisches Rettungs-U-Boot in Nordnorwegen eingetroffen

Das aus Großbritannien eingeflogene Rettungs-U-Boot zur Bergung von Überlebenden aus dem gesunkenen russischen Atom-U-Boot “Kursk” ist am Mittwochnachmittag auf dem Flugplatz Värnes bei Trondheim in Norwegen eingetroffen.

Wie die Nachrichtenagentur NTB meldete, wurde sofort mit dem Weitertransport des zehn Meter langen Bootes von dem russischen Antonow-Transportflugzeug zum Trondheimer Hafen begonnen.

Dort soll das Rettungsboot auf das Versorgungsschiff “Norman Pioneer” verladen werden. Der Versorger soll noch in der Nacht mit der zwölf Mann starken Besatzung des Rettungsbootes zur Unglücksstelle in der Barentssee auslaufen. Dort sollen sie am Samstag eintreffen.

Für den frühen Abend wurden in Värnes auch drei Hercules-Transportflugzeuge mit mehreren Druckkammern, medizinischer Ausrüstung und ärztlichem Personal. Gerät und Personal sollten ebenfalls zur “Norman Pioneer” gebracht werden.

Norwegische Stellen konnten nach Angaben von NTB nicht auf die Frage antworten, warum die britische Hilfsausrüstung nicht zu einem näher an der Unglücksstelle gelegenen Flugplatz gebracht wurde.

Luftangriff gegen den Irak

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Washington/Bagdad - Die USA und Großbritannien haben in der Nacht zu Donnerstag die jüngste Behinderung internationaler Waffenkontrollen durch den Irak mit Luftangriffen beantwortet. Gegen 23.00 Uhr schlugen die ersten Marschflugkörper auf irakischem Boden ein. Präsident Bill Clinton sagte in einer Fernsehansprache: ”Saddam Hussein darf seine Nachbarn nicht mit atomaren, chemischen oder biologischen Waffen bedrohen können.” Daher würden die Produktionsstätten im Irak ausgeschaltet.

Der britische Premierminister Tony Blair erklärte in London in einer Fernsehansprache, Saddam Hussein sei mehrfach klar gewarnt worden und die Aktion sei unvermeidlich gewesen. ”Iraks Potential an Massenvernichtungswaffen muss zerstört werden.” Der Weltsicherheitsrat erfuhr während einer Krisensitzung in New York von den Angriffen.

US-Präsident Bill Clinton entschloss sich nach Angaben des Weißen Hauses nach einem Treffen mit seinen führenden Sicherheitsberatern zu einer ‘’substantiellen militärischen Aktion”. Ausschlaggebend sei der Bericht von UN-Chefinspekteur Richard Butler über mangelnde Kooperation des Iraks gewesen. Außenministerin Madeleine Albright bereitete in fieberhaften Konsultationen mehrere Amtskollegen vor.

Dass die Angriffe unter dem Namen ”Operation Wüstenfuchs” begonnen hatten, erfuhr die Welt durch Liveberichte amerikanischer Fernsehsender. In einem Bericht des Kabelsenders CNN war über Bagdad Flugabwehrfeuer zu hören. Der genaue Umfang der Attacken, an denen neben Marschflugkörpern offenbar auch Kampfflugzeuge beteiligt waren, war zunächst noch nicht bekannt.
Der Angriff fand am Vorabend der geplanten Sitzung des Abgeordnetenhauses in Washington statt, das über ein Absetzungsverfahren gegen Clinton entscheiden will. Die Sitzung wird voraussichtlich verschoben. Darüber beriet am Mittwochabend kurz nach Beginn der Irak-Aktion die republikanische Mehrheit des Parlaments.

In New York unterbrach der Sicherheitsrat seine Sitzung, die hinter verschlossenen Türen auf Antrag Rußlands stattfand. Der russische Außenminister Igor Iwanow warnte vor der Presse in Madrid vor einem Militärschlag gegen den Irak und machte Richard Butler für die Verschärfung der Krise verantwortlich.

Die USA bekräftigten dagegen, dass sie für den Militärschlag keinen besonderen Beschluss durch den Weltsicherheitsrat mehr für nötig hielten. Schon im Februar und November hatten sie kurz vor Angriffen auf den Irak gestanden.

In der Region hielten sie eine Streitmacht mit etwa 24.000 Soldaten, 201 Flugzeugen und 22 Schiffen in Bereitschaft. Die UN hatten in der Nacht zum Mittwoch alle Waffeninspekteure aus dem Irak zurückgezogen. Auch etliche humanitäre Mitarbeiter der Vereinten Nationen verließen das Land. Das restliche UN-Personal sei ”aus Sicherheitsgründen (zentral) an einem Ort in Bagdad gruppiert worden, sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan.

Die Ansprache von US-Präsident Bill Clinton über die Luftangriffe gegen den Irak hat folgenden Wortlaut (Auszüge):

“Heute habe ich den amerikanischen Streitkräften befohlen, Militär- und Sicherheitsziele im Irak anzugreifen. Britische Streitkräfte sind beteiligt. Ihre Mission ist es, die nuklearen, chemischen und biologischen Waffenprogramme des Iraks und seine militärische Fähigkeit zur Bedrohung seiner Nachbarn anzugreifen. Ihre Aufgabe ist der Schutz der nationalen Interessen der USA und in der Tat der Interessen der Menschen im Nahen Osten und in der ganzen Welt. Saddam Hussein darf es nicht erlaubt werden, seine Nachbarn oder die Welt mit nuklearen Waffen, Giftgas oder biologischen Waffen zu bedrohen…

Die USA haben geduldig versucht, UNSCOM (die UN-Waffenkontrollkommission) zu bewahren, während der Irak versuchte, seiner Kooperation mit den Inspektoren auszuweichen…

Die Inspektoren sind zu dem Schluss gekommen, dass ihre Arbeit sinnlos wäre, selbst wenn sie im Irak bleiben könnten. Saddams Täuschungsmanöver haben sie wirkungslos gemacht. Statt dass die Inspektoren Saddam entwaffnen, hat Saddam die Inspektoren entwaffnet. Die Situation stellt eine klare und allgegenwärtige Gefahr für die Stabilität des Persischen Golfes und die Sicherheit von Menschen überall dar. Die internationale Gemeinschaft gab Saddam eine letzte Chance, die Kooperation mit den Waffeninspektoren wiederaufzunehmen. Saddam hat die Chance verspielt. Deshalb mussten wir handeln, und zwar jetzt…

Ich hoffe, dass Saddam jetzt mit dem Kontrollsystem kooperieren wird und die relevanten UN-Sicherheitsratsresolutionen einhält, aber wir müssen darauf vorbereitet sein, dass er es nicht tut… Daher werden wir eine langfristige Strategie verfolgen, Irak und seine Vernichtungswaffen einzudämmen und auf den Tag hin zu arbeiten, an dem der Irak eine seinem Volk würdige Regierung hat.”

Neue Tragödie in Tirol… 

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Neun Deutsche von Lawine nahe Galtür getötet

Innsbruck (dpa) - Nach dem Lawinenunglück nahe dem Tiroler Wintersportort Galtür soll der einzige Überlebende des Unglücks am heutigen Mittwoch ausgeflogen werden. Insgesamt neun deutsche Alpinisten waren am Dienstag bei dem Lawinenabgang ums Leben gekommen. Bislang konnten die österreichischen Rettungsmannschaften wegen der akuten Lawinengefahr und der Dunkelheit nicht zur Jamtal-Hütte des Deutschen Alpenvereins (DAV) vordringen, wo sich der Verletzte befindet. Er war von Bergkameraden geborgen worden.

Für die neun weiteren Verschütteten kam jede Hilfe zu spät. Acht von ihnen konnten nur noch tot geborgen werden, ein neunter Alpinist erlag wenig später seinen Verletzungen. Die Gruppe war am Nachmittag in der Nähe der Hütte von den Schneemassen begraben worden. Sie hatte trotz der akuten Lawinengefahr eine Tour im hochalpinen Gelände unternommen. Das Unglück ereignete sich in rund 2 000 Metern Höhe.

Bei den neun Toten handelt es sich nach Angaben des Deutschen Alpenvereins DAV um drei Frauen und sechs Männer. Eines der Opfer, ein Mann, stammt aus dem bayerischen Schondorf. Die weiteren Opfer sind jeweils ein Teilnehmer aus Essen, aus dem Raum Hamm/Westfalen und aus dem Raum Köln, eine Teilnehmerin aus Hannover sowie zwei Ehepaare aus dem Raum Hamm und dem Raum Koblenz. Über die Identität des Schwerverletzten lagen keine Angaben vor.

Das Unglück ereignete sich zehn Monate nach der Lawinenkatastrophe vom 23. Februar, bei der in Galtür 38 Menschen, darunter auch viele deutsche Touristen, ums Leben kamen.

Ebenfalls am Dienstag starben drei weitere Menschen bei Lawinenabgängen in Österreich. Im Tiroler Ötztal wurden zwei Alpinisten getötet, ein dritter wurde schwer verletzt ins Krankenhaus geflogen. Ihre Identität wurde bisher von der Polizei nicht bekannt gegeben. In Murau (Steiermark) wurde ein einheimischer Snowboard-Fahrer von einem Schneebrett erfasst und getötet. .

Die Polizei in Tirol hat nach den Lawinenunglücken vom Dienstag eine Servicenummer eingerichtet. Angehörige können dort erfragen, ob ein Familienangehöriger unter den Opfern der Lawinenabgänge in Galtür und Sölden sind. Die Telefonnummer aus Deutschland lautet 0043-0512-5900-2501 oder 2502 oder 2111 Durchwahl.

Erdbeben in Athen forderte mindestens 61 Todesopfer

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Griechische Hauptstadt ruft den Notstand aus - Mindestens 2.000 Verletzte

Athen - Nach dem Schock des schweren Erdbebens in der griechischen Hauptstadt Athen wird das Ausmaß der Naturkatastrophe immer deutlicher: Mindestens 61 Menschen kamen bei der Naturkatastrophe ums Leben, darunter 12 Kinder. Nach Angaben des griechischen Gesundheitsministeriums wurden mehr als 2.000 Menschen verletzt, 120 davon schwer. Mindestens 80 Menschen werden noch vermisst, Touristen sind nicht darunter. In türkischen Medienberichten ist von 120 verschütteten Arbeitern von zwei Fabriken die Rede. Tausende Hauptstädter richteten sich am Mittwoch auf eine zweite Nacht im Freien ein.

Der griechische Ministerpräsident Kostas Simitis rief jetzt den Notstand für den Großraum Athen aus, in dem etwa vier Millionen Menschen leben. Der Erdstoß vom Dienstag hatte eine Stärke von 5,9 auf der Richterskala.

Bislang konnten die Rettungstrupps 80 Menschen lebend aus den Trümmern bergen. Die Retter graben fieberhaft nach weiteren Überlebenden - sie wissen, es ist ein Wettlauf mit dem Tod. Die Bergungskräfte bohren Schächte durch die Zementmassen und die Trümmer, um an Verschüttete heran zu kommen. Ein elfjähriger Junge wurde nach 23 Stunden aus den Trümmern eines Hauses geborgen. Die Bergungsarbeiten wurden durch Regen erschwert. Im Zentrum Athens gab es kaum Schäden, die historischen Stätten blieben verschont.

Internationale Rettungsteams eingetroffen

Unterdessen sind Rettungsteams aus zehn Ländern mit Spürhunden in Athen eingetroffen, etwa aus Deutschland, Frankreich, Spanien, der Schweiz und der Türkei. Der Berliner Landesverband des Arbeiter-Samariter-Bundes entsandte 13 Helfer und zehn Suchhunde. Aus der Türkei kam ein 20-köpfiges Rettungsteam in die griechische Hauptstadt.

Das seismologische Institut von Athen hatte bis Mittwochmittag mehr als 800 Nachbeben registriert. Der stärkste Erdstoß ereignete sich kurz vor Mitternacht mit einer Stärke von 4,7. “Wir haben Angst um das Leben unserer Kinder. Wir wagen es nicht, in unsere Häuser zurückzukehren”, meinte ein Athener.

Tausende Obdachlose vermutet

Wie viele Menschen in und um Athen obdachlos sind, war unklar. Der Schulbeginn wurde auf den 20. September verlegt. 240 Bauingenieure durchkämmten die am schwersten betroffenen Vororte im Norden und Nordwesten der Stadt und untersuchten die beschädigten Gebäude. Nach Angaben des Umweltministeriums in Athen sind mindestens 37 Häuser, fünf Fabrikhallen und ein Hotel eingestürzt. Lokale Radiosender sprachen von rund 100 eingestürzten Häusern. Das griechische Militär richtete ein Zeltlager im Fußballstadion der Athener Vorstadt Menidi ein.

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft von Athen, ob Bauunternehmer bei den eingestürzten Häusern auch alle Bauvorschriften eingehalten hatten. In Griechenland, das von Erdbeben besonders bedrohtes ist, gelten strenge Regeln für den Häuserbau. Unterdessen äußerten Ingenieure gegenüber lokalen Medien, die meisten der eingestürzten Häuser seien auf zugeschütteten Bächen errichtet worden. Die nach Vorschrift errichteten Gebäude hätten dem Erdstoß hingegen stand gehalten.

Erst vor drei Wochen hatte in der Türkei die Erde heftig gebebt. Bei dem schweren Erdbeben am 17. August waren 15.003 Menschen ums Leben gekommen. Experten rechnen damit, dass unter den Trümmern noch zahlreiche Opfer liegen. Knapp 24.000 Menschen wurden verletzt und befinden sich noch immer in Behandlung. Dort fordert die sozialdemokratische Republikanische Volkspartei (CHP) die Entlassung des Gesundheitsministers Osman Durmus. Er war bei dem Erdbeben vor drei Wochen in die Kritik geraten, weil er ausländische Hilfe abgelehnt hatte.

Schweres Erdbeben in der Türkei

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Mehr als 6.900 Tote und über 30.000 Verletzte beim Erdbeben in der Türkei
Epizentrum in der Industriestadt Izmit Beben der Stärke 7,8 auf der Richterskala

Istanbul/Ankara - Bei einem verheerenden Erdbeben der Stärke 7,8 auf der Richterskala in der Nähe von Istanbul wurden bereits mehr als 6.900 Menschen tot geborgen. Tausende wurden von Trümmern einstürzender Häuser verletzt.

Das Epizentrum lag in Izmit in der Provinz Kocaeli, rund 100 Kilometer östlich von Istanbul. Die Regierung erklärte für das Katastrophengebiet den Notstand. Das Krisenzentrum in Ankara sprach am Donnerstagabend von bisher 6.900 geborgenen Toten. Die Zahl der Verletzten wurde mit mindestens 30.000 angegeben. Der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit rief die Bevölkerung zur Ruhe auf.

Menschen im Schlaf überrascht

Erst Stunden nach dem etwa 45 Sekunden dauernden Beben um 3.02 Uhr Ortszeit wurde das Ausmaß der Schäden deutlich. Besonders in Izmit und Istanbul wurden die Menschen von dem Beben im Schlaf überrascht. Die Trümmer einstürzender Häuser begruben Hunderte Menschen. Straßen brachen auf, zahlreiche Autofahrer steckten fest. Telefonleitungen waren tot oder völlig überlastet. In Istanbul fiel der Strom aus, die Einwohner strömten in Panik auf die Straßen. Augenzeugen berichteten von gespenstischen Situationen: Fensterscheiben splitterten, Bilder fielen von den Wänden und Regale kippten um. Kinder und Frauen weinten. ”Das ist das stärkste Erdbeben, das ich je erlebt habe”, sagte ein Mann in Istanbul, der sich rechtzeitig aus seinem Haus retten konnte.

Aus Furcht, nicht rechtzeitig aus den Häusern zu kommen, sprangen viele Menschen von Balkonen und verletzten sich schwer. Gleich nach dem Unglück gruben Nachbarn und Helfer zum Teil mit bloßen Händen nach Familienangehörigen und Freunden. Ärzte und Pflege-Personal versorgten die schwer Verletzten, die wimmernd auf den Straßen lagen. Eine Mutter saß weinend mit ihrem toten Kind im Arm auf der Straße. Auf den Straßen lagen Geschirr, Kleidung und Bilder verstreut.

Ob Deutsche von dem Beben betroffen sind, ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes nicht bekannt. Touristen sind nach Angaben des türkischen Tourismusministeriums nicht betroffen. Es seien auch keine Ferienanlagen in den betroffenen Gebieten eingestürzt, hieß es in einer Erklärung. Bundespräsident Johannes Rau und Außenminister Joschka Fischer drückten in Schreiben an ihre türkischen Amtskollegen Bestürzung über das Erdbeben aus. Die Bundesrepublik leitete auf Bitten der türkischen Regierung Hilfsmaßnahmen für die Erdbebenregion ein. Das Auswärtige Amt stellte eine Soforthilfe von einer Million Mark zur Verfügung.

Helfer aus Deutschland

Eine Spezialeinheit des Technischen Hilfswerks (THW) sollte am Abend in das Erdbebengebiet fliegen. In der Katastrophenregion werden die 24 Helfer Verschüttete mittels elektronischer Ortungsgeräte und Rettungshunden lokalisieren und mit Spezialgeräten aus den Trümmern zu retten versuchen. Bei den sommerlichen Temperaturen haben die Helfer große Hoffnung, auch nach Tagen noch Überlebende aus den Trümmern zu bergen. Auch der Arbeiter-Samariter-Bund schickte Hundestaffeln nach Istanbul.

Ministerpräsident Ecevit warnte davor, zurück in beschädigte Häuser zu gehen. Er besuchte am Dienstag besonders stark zerstörte Gebiete. Ein Politiker der Istanbuler Stadtverwaltung besichtigte den verwüsteten Stadtteil Avcilar auf der europäischen Seite und beklagte die Billig-Bauweise. ”Sie bauen zehnstöckige Häuser auf die gleiche Weise wie einstöckige”, sagte er. ”In meinen Augen ist das ein Verbrechen.”

In der Provinz Kocaeli stürzten mehr als 100 Appartment-Häuser völlig zusammen. Besonders in der Industrie-Stadt Izmit war die Zerstörung groß. Mehrstöckige Häuser knickten weg und brachen zusammen. Rund um die 500.000-Einwohner-Stadt soll es 200 Todesopfer geben. In Izmit brachen an zahlreichen Orten Brände aus. Gölcük am Marmarameer wurde nach dem Erdbeben von einer Flutwelle getroffen. In der Stadt sind in einem Marine-Gebäude zudem 250 Menschen verschüttet worden. 20 konnten nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden, 24 wurden gerettet.

Angst vor Nachbeben

Nach dem großen Beben in der Nacht, das nach Angaben des Freiburger Landesamtes für Geologie die Stärke 7,8 erreichte, gab es zahlreiche Nachbeben. Bei so schweren Beben gehen die Werte stark auseinander. Die zunächst gemessene Stärke von 6,7 sei nur eine vorläufige Angabe gewesen, hieß es in Freiburg. Das Beben sei deshalb so verheerend gewesen, weil sich das Epizentrum nur in einer Tiefe von rund 30 Kilometern befand. Die Nervosität in der Bevölkerung ist groß, denn weitere Nachbeben werden befürchtet. Mehr als 80 Prozent der türkischen Bevölkerung lebt in Erdbeben-gefährdeten Gebieten.

Das Waffenrecht in den USA

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Hamburg - Etwa jeder vierte US-Amerikaner besitzt zumindest eine Schusswaffe. An weiterführenden Schulen soll nach einer Studie des Justizministeriums sogar jeder dritte Jugendliche bewaffnet sein. Die Gesamtzahl der privaten Pistolen und Gewehre wird auf etwa 200 Millionen geschätzt.

In den USA gibt es eine lebhafte Debatte über das Waffenrecht. Während die Waffenlobby auf das alte verfassungsmäßige Recht aller Amerikaner auf den Besitz von Schießgeräten und die Notwendigkeit zum eigenen Schutz pocht, sehen deren Gegner darin eine Gefahr und einen Zusammenhang mit hoher Gewaltkriminalität. Jährlich werden etwa 15.000 Menschen in den USA mit Schusswaffen ermordet.

Mittlerweile ist es in sieben der 50 Bundesstaaten gänzlich verboten, Waffen zu tragen. In manchen Staaten können sich bedrohte Bürger eine entsprechende Genehmigung besorgen. Andernorts, beispielsweise in Texas, ist es nicht einmal nötig, eine Bedrohung geltend zu machen.

Im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung wurde vor mehr als 200 Jahren das “Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen” verbrieft. Zur Begründung hieß es, eine “wohlgeordnete Miliz” sei “für die Sicherheit eines freien Staates notwendig”. Die Befürworter einer wirksamen Kontrolle machen geltend, dass sich die Zeiten geändert hätten; der “Wilde Westen” sei Geschichte, und kein Amerikaner müsse sich mehr etwa gegen Indianer oder Raubtiere verteidigen. Nur durch einen erschwerten Zugang zu Waffen könne die Kriminalität eingedämmt werden.

Präsident Bill Clinton hat bereits in seiner ersten Amtszeit einen Versuch zur Eindämmung des Waffenbesitzes unternommen. Das Brady-Gesetz von 1994 (Brady Handgun Violence Prevention Act) schrieb eine fünftägige Frist zwischen Kauf und Aushändigung von Waffen vor, um die Käufer zu überprüfen. Außerdem wurde der Handel mit bestimmten automatischen Waffen verboten. Einige Bestimmungen des Gesetzes wurden 1997 allerdings vom Obersten Gerichtshof gelockert. Im vergangenen Jahr wurde die Fünf-Tage-Frist durch ein neues Überprüfungssystem ersetzt. Weitere einschneidende Maßnahmen gegen den massenhaften Waffenerwerb hat es nicht mehr gegeben, seit die Republikaner Ende 1994 im Kongreß die Mehrheit eroberten.

Börsenhändler erschießt neun Menschen und richtet sich nach Amoklauf selbst

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Atlanta (Reuters) - Ein offenbar frustrierter Börsenhändler hat in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia zwölf Menschen getötet und sich selbst das Leben genommen.Der Bürgermeister der Stadt, Bill Campbell, erklärte am Donnerstagabend, der 44jährige Mark Barton sei fünf Stunden nach der Tat von der Polizei gestoppt worden und habe sich selbst gerichtet. Barton hatte am Nachmittag in einem Bürogebäude Atlantas wild um sich geschossen. Dabei wurden neun Menschen getötet und zwölf verletzt. Im Haus des Mannes wurden die Leichen seiner Frau und seiner zwei Kinder aufgefunden, die offenbar bereits vor Tagen getötet wurden. Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Der Amokschütze Mark Barton.
Bürgermeister Campbell erklärte, Barton sei am Nachmittag in ein Bürogebäude im Finanzviertel Atlantas gegangen und habe dort vier Menschen erschossen. Anschließend habe er ein weiteres Büro aufgesucht und dort fünf Menschen erschossen. Nach Polizeiangaben hatte Barton drei Waffen bei sich. Nach der Tat flüchtete er in seinem Auto.

Augenzeugen berichteten, Barton habe sich in dem Bürozentrum zunächst ganz normal mit den Angestellten eines Händlerbüros unterhalten. Dabei habe er sich besorgt über den Handelstag geäußert. Anschließend habe er unvermittelt eine Waffe gezogen und wie wild um sich geschossen. Die Menschen seien dann in Panik auf die Straße gerannt, andere hätten sich in Todesangst unter Schreibtischen verkrochen. Ein Augenzeuge berichtete im Fernsehen, dass er in einem Büroraum große Blutlachen gesehen habe. Er habe wegschauen müssen, da er den Anblick nicht mehr habe ertragen können.

Campbell sprach von der Tat eines geistig Verwirrten und wies Spekulationen zurück, nach denen Barton die Tat wegen geschäftlichen Verlusten begangen habe. Darüber hinaus habe es offenbar bereits vor Donnerstag Tote gegeben. Im übrigen stiegen und fielen die Kurse an der Börse jeden Tag, ohne dass es zu derartigen Tragödien käme. Polizeichef Harvey Houtkin erklärte im US-Fernsehsender CNN, Barton habe nach Angaben von Mitarbeitern der Finanzdienste seit Ende April keine Geschäfte mehr getätigt. Der Präsident des Finanzdienstleisters All-Tech, Mark Shefst, sagte, Barton habe in Scheidung gelebt. Dies könne der Hintergrund für die Tat sein.

Mehr als 200 Polizisten nahmen nach den Schüssen Bartons dessen Verfolgung auf. Dieser sei schließlich fünf Stunden nach der Tat an einer Tankstelle 16 Kilometer östlich von Atlanta gestellt worden, erklärte Campbell. Noch bevor die Beamten ihn festnehmen konnten, habe sich dieser umgebracht. Zuvor habe es keine Hinweise darauf gegeben, dass er Widerstand leisten würde.

Im Haus Bartons, 56 Kilometer südlich von Atlanta, waren nach Polizeiangaben zuvor dessen Frau sowie seine sieben Jahre alte Tochter und sein 12jähriger Sohn tot aufgefunden worden. Polizeichef Jimmy Mercer erklärte, die Kinder seien in Laken gehüllt auf ihren Betten gefunden worden. Neben ihnen habe Spielzeug gelegen. Bartons Ehefrau sei in einem Wandschrank aufgefunden worden. Barton habe vier Schriftstücke hinterlassen, nach denen seine Frau offenbar am Dienstag und die Kinder am Mittwoch getötet wurden. Die Opfer seien offenbar zu Tode geprügelt worden.

Nach Angaben der Polizei wurde Barton 1994 verdächtigt, seine erste Frau und seine Schwiegermutter erschlagen zu haben. Hinreichende Beweise seien dafür aber nicht gefunden und der Fall nie aufgeklärt worden. Barton sei aber damals der einzige Verdächtige gewesen.

Nach Angaben der Polizei war die Tat von Donnerstag die schlimmste Massenerschießung in Atlanta in diesem Jahrhundert. In den USA haben in der Vergangenheit immer wieder bewaffnete Amokläufer zahlreiche Menschen getötet. Im April hatten an einer Schule in einem Vorort von Denver im Bundesstaat Colorado zwei Schüler wie wild um sich geschossen. Sie töteten dabei 13 Menschen, bevor sie sich selbst das Leben nahmen. Nach dem Massaker waren in den USA wieder Stimmen laut geworden, die eine drastische Verschärfung der Waffengesetze forderten. In den USA sind Millionen von Waffen in Privatbesitz.

Kosovo-Krieg ein militärischer Fehlschlag

Mittwoch, Juli 16th, 2008

NATO-Experten kritisieren: Angriffe wurden “armselig geplant und ausgeführt”

London - Fachleute der NATO haben nach einem britischen Pressebericht den Verdacht erhärtet, dass der Luftkrieg gegen Jugoslawien und das Kosovo militärisch ein Fehlschlag war. Die Zeitung ”The Daily Telegraph” zitiert aus einer ”vorläufigen” Untersuchung, deren Verfasser zu dieser ”betrüblichen” Einschätzung gekommen seien.

Ihre wesentliche Feststellung lautet, dass die Tausende Luftangriffe in den 78 Kriegstagen der jugoslawischen Armee im Kosovo so gut wie keinen Schaden zugefügt hätten. Die Angriffe auf nichtmilitärische Infrastruktur wie Brücken und Fabriken seien ”armselig geplant und ausgeführt” gewesen.

Politischer Erfolg

Immerhin räumen die Verfasser des Berichts ein, dass der Kosovo-Krieg politisch ein Erfolg war. Die NATO-Länder hätten entgegen den anfänglichen Hoffnungen des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic ihre Geschlossenheit gewahrt. Milosevic habe schließlich eingesehen, dass er isoliert sei, und deshalb nachgegeben.

Die Zeitung zitiert Beamte des britischen Außenministeriums mit der Einschätzung, der Westen hätte seine Forderungen an Milosevic schon viel früher mit Gewaltdrohungen untermauern sollen. Der jugoslawische Präsident werde kein Abkommen einhalten, von dem er befürchten müsse, das Kosovo zu verlieren.

Erste Aufschlüsse über Unfallhergang

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Kurz vor dem Absturz wechselte Kennedy den Kurs - Orientierungsverlust?

New York - Langsam kommen die Ermittlungen um den tödlichen Flug von John F. Kennedy Jr. voran. Mit Hilfe von Radaraufnahmen stellte sich heraus, dass der Präsidentensohn sein Flugzeug kurz vor dem verhängnisvollen Absturz scharf nach rechts lenkte. Unmittelbar darauf begann ein dramatischer Sturzflug, bei dem die Maschine mit Kennedy, seiner Frau Carolyn und seiner Schwägerin Lauren Bessette vor der Küste der Ferieninsel Martha’s Vineyard ins Meer stürzte.

Nach Angaben des leitenden Ermittlungsbeamten der Nationalen Transportsicherheitsbehörde (NTSB), Robert Pearce, verlor die sechssitzige Piper ”Saratoga” in den letzten 14 vom Radar erfassten Sekunden 335 Meter an Höhe. Experten setzen die Grenze für Höhenverluste, die von einer Maschine dieses Typs noch bewältigt werden können, bei etwa 460 Metern pro Minute an. Der Sturzflug von Kennedys Piper lag auf die Minute umgerechnet bei 1.433 Metern. Die Maschine sei klar außer Kontrolle gewesen, sagte ein ehemaliger NTSB-Mitarbeiter. Der NTSB zufolge ist das bisher größte gefundene Flugzeugteil ein etwa 60 Quadratzentimeter großes Stück Teppich.

Mit nur 100 Stunden Flugerfahrung und fehlender Erlaubnis für eine Instrumentenlandung war der Sohn des 1963 ermordeten gleichnamigen US-Präsidenten bei Einbruch der Dunkelheit gestartet. Der erfahrene Pilot Kyle Bailey, der auf dem selben Flughafen wie Kennedy fliegt, erklärte, er selbst habe früher am Unglückstag wegen der Bedingungen auf einen Flug verzichtet. Er habe am Nachmittag abgelehnt, dieselbe Route wie Kennedy zu fliegen, weil er über dem offenen Meer Gefahren durch Dunst und Dunkelheit befürchtet habe, berichtet die ”Washington Post”.

Kennedy wollte unbedingt allein fliegen

Dem Bericht zufolge hatte John F. Kennedy junior sein Flugzeug ohne Kopilot bestiegen, weil er die Maschine nach einer Verletzung unbedingt allein steuern wollte. Die ”Washington Post” berichtete am Mittwoch, Kennedy sei froh gewesen, als er am Donnerstag nach einem Knöchelbruch beim Gleitschirmfliegen seinen Gips entfernt bekommen habe und habe Bekannten erzählt, er wolle sich allein ans Steuer setzen.

Die Suche nach dem Wrack des abgestürzten Flugzeuges bleibt vier Tage nach dem Unglück vorerst weiter ohne Ergebnis. Sie konzentrierte sich am Dienstagabend auf zwei neue ”viel versprechende Ziele” in rund 35 Meter Tiefe, teilte Konteradmiral Richard Larrabee von der US-Küstenwache mit. Die mit modernster Technik ausgerüsteten Suchschiffe operieren rund um die Uhr. Es gibt inzwischen etwa acht neue Zielobjekte. Am Dienstag wurden einige weitere kleine Gegenstände gefunden, die von der abgestürzten Piper 32 ”Saratoga” stammen könnten.

Unterdessen ist die Flugaufsichtsbehörde FAA unter Beschuss geraten, weil sie angeblich zu spät reagierte. Danach wurde ein Mitarbeiter bereits 25 Minuten nach dem Unglück am vergangenen Freitag abend darauf aufmerksam gemacht, daß das in Martha’s Vineyard (Bundesstaat Massachusetts) erwartete Flugzeug überfällig war. Die Rettungsaktion wurde jedoch erst vier Stunden später eingeleitet. Die FAA verteidigte sich am Dienstag damit, dass der Anrufer keine ”Dringlichkeit” vermittelt habe.

Experten gehen davon aus, dass eine schnellere Rettungsaktion nichts am Schicksal der Flugzeuginsassen geändert hätte, da sie wahrscheinlich durch die Wucht des Aufpralls sofort getötet worden seien. Der rapide Höhenverlust vor dem Absturz deutet auf einen Aufprall mit hoher Geschwindigkeit hin, weshalb bisher nur kleinere Trümmerteile der Maschine gefunden wurden und die Opfer vermisst blieben. Experten vermuten einen so massiven Aufprall, dass die von Kennedy gesteuerte Maschine praktisch explodierte.

Die Familien der drei verunglückten Flugzeuginsassen brachen inzwischen erstmals ihr Schweigen und veröffentlichten Erklärungen, in denen sie den Verlust betrauerten. Die US-Flagge auf dem Kennedy- Familiensitz in Hyannisport (Massachusetts) weht auf Halbmast. Obwohl Kennedys Leiche bisher nicht geborgen werden konnte, gibt es bereits Vorbereitungen auf die mögliche Bestattung. Für den Fall, dass die Familie eine Beerdigung auf dem Nationalfriedhof in Arlington bei Washington wünscht, wurde eine Grabstätte an der Seite von Präsident John F. Kennedy und seiner Mutter Jacqueline Onassis Kennedy vermessen.

Keine Überlebenschance mehr

Mittwoch, Juli 16th, 2008

New York - Der Präsidentensohn John F. Kennedy Jr. hat den Absturz seines Privatflugzeugs aller Wahrscheinlichkeit nach nicht überlebt. Ein Sprecher der US-Küstenwache teilte mit, es gebe praktisch keine Hoffnung mehr auf Überlebende. Die Küstenwache hat inzwischen ihren Einsatz von einer Rettungsaktion auf die Bergung des vermissten Wracks umgestellt. Mehr als 18 Stunden könne kaum jemand im Atlantik überleben.
Keine Schwimmwesten an Bord
An Bord der aus unbekannter Ursache abgestürzten Maschine habe es keine Schwimmwesten gegeben. Der 38jährige Sohn des 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy und Herausgeber des US-Magazins ”George” war am Freitagabend als Pilot einer Privatmaschine mit seiner Frau und seiner Schwägerin gestartet und später vor New York in den Atlantik gestürzt. US-Präsident Bill Clinton drückte den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Rettungsmannschaften der Küstenwache hatten seit Samstag morgen mit einem Großeinsatz nach Überlebenden des Absturzes gesucht. Konteradmiral Richard Larrabee sagte auf einer Pressekonferenz, bislang seien nur Gepäckstücke und Trümmer der abgestürzten Piper 32 Saratoga gefunden worden. Nach Angaben der US-Behörden könnte die Bergung der Maschine oder ihrer Überreste bis zu zwei Wochen dauern.
Kennedys Kleinflugzeug war am Freitagabend vom Flughafen Essex in Fairfield im Bundesstaat New Jersey in Richtung der Insel Martha’s Vineyard in Massachusetts gestartet. Von dort aus wollte Kennedy mit seiner 33 Jahre alten Frau Carolyn Bessette Kennedy und deren 35jährigen Schwester Lauren Bessette zur Hochzeit seiner Cousine Rory zum Familiensitz in Hyannisport auf Cape Cod weiterreisen.

Auf Martha’s Vineyard hätte die Maschine danach bereits gegen 22 Uhr eintreffen müssen. Die Familie Kennedy informierte die Flugsicherung um zwei Uhr am Samstag morgen, dass das Flugzeug seit Stunden überfällig war. Die Hochzeit wurde abgesagt.
Spekulationen über Absturzursache.

Charmanter Aufsteiger im Polit-Journalismus

Viele Amerikaner sagen immer noch “John-John”, wenn sie von John F. Kennedy Jr. sprechen: Obwohl inzwischen 38 Jahre alt und nach holprigem Anlauf sehr erfolgreich im Polit-Journalismus, blieb er für die Öffentlichkeit der kleine Junge, der 1963 am Sarg seines Vaters salutierte. So wie die Schüsse von Dallas den schon zu Lebzeiten verehrten US-Präsidenten zur amerikanischen Ikone machten, wurde John F. Kennedys einziger und gleichnamiger Sohn zum Kronprinz der US-Nation. Mit Wohlwollen beobachtete Amerika, wie sich der kleine John zu einem blendend aussehenden, athletischen, jungen Mann mit dem Charisma des Vaters und dem guten Geschmack der Mutter entwickelte.

Freunde beschreiben den Sohn des ermordeten US-Präsidenten als charismatisch, liebenswert, charmant und sehr warmherzig. Obwohl einer der populärsten Figuren der Welt - eine Art “Princess Di” der Amerikaner -, war der junge Kennedy “so normal, wie ein Mensch nur sein kann”, bescheinigte auch sein Fluglehrer. John war offen für alles und hatte ein Ohr für jedermann. Dabei bewahrte er sich den Glamour, für den schon seine Mutter ein Leben lang bewundert worden war.

Anders als der ältere John F. Kennedy und dessen Brüder Robert und Ed stieg “John-John” nicht direkt in die Politik ein. Statt dessen wählte er eine Karriere, die das politische Gespür seines Vaters und die Begeisterung seiner Mutter Jacqueline für das geschriebene Wort miteinander verband.

Er gründete im Alter von 35 Jahren das Politmagazin “George” und ist seitdem dessen Herausgeber. Obwohl noch kein finanzieller Erfolg, behauptet sich “George” als angesehenes Magazin, das politische Themen für die junge Generation reflektiert. Es zeigt Politik von der menschlichen Seite mit Hochglanzfotos, wie sie in den klassischen politischen Magazinen nicht zu finden sind.

John F. Kennedy Jr. hat erst im dritten Anlauf das juristische Examen geschafft, das ihn berechtigte, als Staatsanwalt in New York zu arbeiten. Trotz der Mühen gab er den Job bald wieder auf. Mutter Jackie reagierte mit einem “das kommt nicht in Frage” auf den Wunsch des Juniors, als Filmstar nach Hollywood zu gehen. Der äußerst begehrte Junggeselle pflegte intensive Beziehungen zu mehreren Schauspielerinnen.

So lebte er mit Daryl Hannah in New York zusammen und erschien mit ihr zu den Beisetzungsfeierlichkeiten seiner Mutter. Als aber die Boulevard-Reporter in Erwartung einer Hochzeit nach Cape Cod reisten, wurde der angebliche Bräutigam in New Yorks Central Park beim Küssen einer anderen Schönen erwischt.
Nur ein Jahr nach Gründung von “George” heiratete der “Sexiest Man in America” (”People”) klammheimlich seine Freundin Carolyn Bessette. Die Trauung fand im engsten Familienkreis auf der Insel Cumberland vor der Küste des Südstaates Georgia statt. Die Braut hatte kurz zuvor ihre Arbeit in der Presseabteilung des Designers Calvin Klein aufgegeben. In einem Calvin Klein-Ausstellungsraum hatte sie ihren Mann 1993 kennen gelernt

Seit der romantischen Insel-Hochzeit im September 1996 berichtete die Boulevardpresse sporadisch über Eifersüchteleien und Streits zwischen dem berühmten Paar, das kinderlos blieb. Besonders umstritten war Johns Leidenschaft für das Fliegen. Er erwarb vor einem Jahr den Pilotenschein und erst vor zehn Wochen das einmotorige Sportflugzeug. Es trug das Geburtsdatum des Vaters und die Initialien JFK zur Identifizierung auf dem Rumpf.

Die Klärung der Absturzursache könnte nach Angaben der US- Behörden mehrere Wochen dauern. Der Präsidentensohn galt als relativ unerfahrener Pilot, da er erst vor einem Jahr seinen Pilotenschein erworben hatte. Die sechssitzige Maschine hatte er zudem nach Unterlagen der US-Flugsicherheitsbehÿÿrde erst im April gebraucht gekauft. In Ermittlerkreisen hieß es, die Polizei spekuliere, dass das Flugzeug mit der Nase voran ins Meer gestürzt und danach zerbrochen sei. Man rechne nicht mit unversehrten Leichenteilen. Die US-Küstenwache schickte ein mit Radar ausgerüstetes Spezialschiff in die vermuteten Absturzregion, um nach der Maschine zu suchen. Mit Tagesanbruch wurden zudem Taucher eingesetzt.

An der Suche der Küstenwache beteiligten sich zahlreiche Schiffe, Rettungsflugzeuge und Hubschrauber. Sie fanden bereits erste Flugzeugtrümmer entdeckt. Zudem wurden mehrere persönlich Besitzstücke der Insassen an der Küste angespült: Darunter ein Koffer, an dem ein Anhänger mit dem Namen Lauren Bassette befestigt war, eine Flasche mit einem Arzneimittel, die den Namenszug von Kennedys Frau Carolyn sowie eine Kosmetiktasche. Geborgen wurden außerdem die Kopfstütze von einem Flugzeugsitz, ein Rad mit einer Strebe sowie Teile, die vermutlich zur Innenverkleidung des Kleinflugzeugs gehörten.

Präsident drückt ”Mitgefühl” aus.

Präsident Clinton drückte der Kennedy-Familie seine Gebete und Unterstützung aus. Er wolle in Namen aller Amerikaner seine Gebete übermitteln, sagte Clinton. Mehr als 40 Jahre habe die Familie viel gelitten und noch mehr gegeben.

Tragödien und Skandale der Kennedys

Triumph und Tragödie lagen in der Familien-Dynastie der Kennedys in den USA immer dicht beieinander. Glanzvolle Höhepunkte, Unglücke, Attentate, Affären und Skandale lösten einander ab in einem Clan, den der irische Einwanderer Joseph Patrick Kennedy mit seiner Frau Rose im Neuenglandstaat Massachusetts gründete.
Hier die bisher wichtigsten Ereignisse der Familien-Saga:

1944: Der älteste Kennedy-Sohn Joseph stürzt 29jährig im Zweiten Weltkrieg über dem Ärmelkanal ab.

1948: Seine Schwester Kathleen kommt im Alter von 28 Jahren bei einem Flugzeugunglück ums Leben.

1963: US-Präsident John F. Kennedy (46) stirbt am 22. November bei einem Attentat in Dallas (Bundesstaat Texas).

1968: Robert F. Kennedy (42), Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei, wird am 6. Juni in Los Angeles Opfer eines Attentats.

1969: Edward M. Kennedy fährt am 18. Juli nach einer Party auf der Insel Chappaquiddick von einer Brücke, seine Mitarbeiterin Mary Jo Kopechne ertrinkt.

1973: Edward Kennedy jr. wird wegen Krebs ein Bein amputiert. Robert Kennedys Sohn Joseph verunglückt mit dem Auto, eine Mitfahrerin ist seither gelähmt.

1984: Robert Kennedys Sohn David stirbt an einer Überdosis Rauschgift in Florida.

1991: Edward Kennedys Neffe William Kennedy Smith wird wegen Vergewaltigung auf dem Familienbesitz in Palm Beach (Florida) vor Gericht gestellt und freigesprochen.

1997: Michael Kennedy verunglückt am 31. Dezember bei einem Skiunfall in Aspen (Colorado) tödlich.

Rückschlag für Friedensprozess in Nordirland

Mittwoch, Juli 16th, 2008

UUP lehnt Beteiligung von Sein-Fein an Übergangsregierung abBelfast - Der Friedensprozess in Nordirland ist in eine schwere Krise geraten. Die führende Protestantenpartei UUP weigert sich, die republikanische Partei Sinn Fein an der Macht zu beteiligen.

Der Vorstand der Ulster Unionist Party begründete seine Ablehnung nach einer kurzen Sitzung am Mittwochabend mit angeblich unzureichenden Garantien für eine Entwaffnung der Sinn Fein nahe stehenden Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA).

Die Regierungen in London und Dublin zeigten sich ”enttäuscht” über die Entscheidung des UUP-Vorstands. Die UUP unter Vorsitz von David Trimble wies damit praktisch den vor kurzem in Marathonverhandlungen in Belfast ausgehandelten Kompromiss zurück, mit dem der Stillstand bei der Umsetzung des Friedensabkommens vom Karfreitag 1998 überwunden werden sollte.

Trotz des Rückschlags hielt die Regierung in London daran fest, für heute in Belfast eine Sitzung der gewählten Nordirland-Versammlung einzuberufen. Auf ihr sollten die zehn Minister der künftigen Regionalregierung ernannt werden - darunter auch zwei der Partei Sinn Fein von Gerry Adams. Unmittelbar vor der Sitzung stellte Protestantenführer Trimble jedoch klar, dass sich seine Partei vorerst nicht an der Regierung beteiligen werde. Trimble sprach sich dafür aus, die Umsetzung des nordirischen Friedensabkommens nun erst einmal auszusetzen. ”Der (Friedens-)Prozeß sollte jedoch nicht beendet werden”, sagte er.

Nach dem Plan von Premierminister Tony Blair und dem irischen Regierungschef Bertie Ahern sollte in Ulster bis zu diesem Donnerstag eine Provinzregierung (Exekutivrat) gebildet werden. Innerhalb weniger Tage sollte die IRA ein Signal geben, dass sie es mit der völligen Auflösung ihrer Waffen- und Sprengstofflager bis zum Mai nächsten Jahres ernst meint. Die Waffenabgabe sollte innerhalb von vier Wochen beginnen. Noch am Mittwoch hatte Blair versucht, die UUP mit weiteren Zugeständnissen in der Entwaffnungsfrage zum Einlenken zu bewegen.

Massiver Vergeltungsschlag Israels gegen Libanon

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Mindestens acht Zivilisten getötet - Teile von Beirut noch immer ohne StromJerusalem/Beirut - Kurz vor dem Machtwechsel in Israel hat der scheidende Ministerpräsident Benjamin Netanjahu überraschend einen massiven Vergeltungsschlag gegen den Libanon geführt. Damit soll der tödliche Guerilla-Angiff der pro-iranische Hisbollah-Miliz auf Nordisrael vom vergangenen Donnerstag gerächt werden. Dabei waren zwei Zivilisten getötet und 13 verletzt worden.

Mehrere Stunden lang flogen israelische Kampf-Jets in der Nacht Angriffe auf das benachbarte Land. Sie zerstörten zwei Kraftwerke bei Beirut und eines bei Dschijeh, 20 Kilometer südlich der Hauptstadt. In Beirut brach die Stromversorgung zusammen und war auch noch am Vormittag weitgehend ohne Elektrizität. Der Himmel über der Stadt war nur vom Feuer der libanesischen Luftabwehr taghell erleuchtet.

Die israelischen Kampfflugzeuge bombardierten auch Brücken und ein Verwaltungssitz der Hisbollah-Miliz. Bei der sechsten Angriffswelle wurde ein Kommunikationszentrum südlich von Damur getroffen, erklärte die israelische Armee. Insgesamt wurden mindestens zehn Libanesen getötet, 56 weitere verletzt.

Es sind die schwersten Angriffe Israels auf den Libanon seit der Militäroperation ”Früchte des Zorns” 1996. Israel bekräftigte seine Entschlossenheit, Guerilla-Angriffe aus Libanon auf sein nördliches Staatsgebiet mit militärischer Vergeltung zu ahnden. ”Beide, Hisbollah und die libanesische Regierung müssen sich bewusst sein, dass Israel auf jeden Angriff mit Stärke reagieren wird.” stellte Netanjahu in einer Erklärung fest. ”Wenn es keine Ruhe in Nordisrael gebe, werde es auch keine Ruhe im Libanon geben”. Sein designierter Nachfolger Ehud Barak besprach die Eskalation mit seinen möglichen Koalitionspartnern. Eine weitere Verschärfung des Konflikts mit dem Libanon müsse vermieden werden, hieß es. Im Wahlkampf hatte Barak versprochen, den Nahost-Friedensprozeß wiederzubeleben.

Der libanesische Ministerpräsident Salim Hoss verurteilte die Angriffe als ”barbarisch”. Sein Kabinett kam zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Angesichts des völligen Blackouts in Beirut sei es für eine Schadens- und Opferbilanz noch zu früh, erklärte Innenminister Michel el Mur. Das Land befinde sich in einem Schockzustand. ”Krieg gegen Libanon” titelte die Zeitung ”An Nahar” in Beirut.

Die USA rief ihrerseits die beteiligten Parteien zur Besonnenheit auf. Die amerikanische Regierung sei tief besorgt über den Konflikt, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington. Der Hintergrund des Konflikts: Die Hisbollah kämpft für einen Abzug der israelischen Armee aus dem Südlibanon. Israel hält dort seit 1985 eine 15 Kilometer breite Zone zum Schutz seiner Nordgrenze besetzt.

Freudenausbrüche in Serbien

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Ende des Kosovo-Krieges steht bevor Belgrad - Die Nachricht von der Einigung über den serbischen Truppenabzug aus dem Kosovo, die Bedingung für die Einstellung der NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien war, hat in ganz Serbien wahre Freudenausbrüche ausgelöst.

Mehrere hundert Menschen haben sich auf dem zentralen Belgrader Platz der Republik versammelt und serbische und jugoslawische Fahnen schwenkend das Ende der Bombardierungen gefeiert.

Durch die Innenstadt fuhren hupende Fahrzeugkolonnen und viele Cafes waren erstmals seit Ende März auch nach Mitternacht geöffnet. Aus ihnen und vielen Wohnungen waren laute Musik und fröhliche Stimmen zu hören. Augenzeugen berichteten, dass in vielen Stadtteilen Schüsse zu hören waren. Die Nachrichtenagentur Beta meldete, dass auch die jugoslawische Luftabwehr aus Freude ihre Flak in die Luft abfeuerte.

Auch in der Industriestadt Nis versammelten sich viele hundert jubelnde Menschen in der Innenstadt. Besonders heftiges Feuer aus automatischen Waffen sei in der Kosovo-Hauptstadt Pristina zu hören gewesen, meldete Beta. Aus anderen Ortschaften wurden ähnliche Versammlungen berichtet.

Staatsanwalt beantragt Todesstrafe für Öcalan

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Istanbul - Am sechsten Tag des Hochverratsprozesses gegen den Chef der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat die Staatsanwaltschaft die Todesstrafe für Abdullah Öcalan beantragt. Der Kurdenführer soll nach Meinung der Anklagevertreter wegen Angriffs auf die Einheit des Staates nach Paragraph 125 des türkischen Strafgesetzbuches zum Tode verurteilt werden. Das berichteten am Dienstag der private Fernsehsender ”NTV” und die Nachrichtenagentur Anadolu.
Das Gericht ordnete eine 15tägige Unterbrechung des Verfahrens an, um den Verteidigern des Separatistenführers die Vorbereitung auf ihre Plädoyers zu ermöglichen. Die Anwälte wollten ursprünglich eine einmonatige Prozesspause. Unterdessen warnte die PKK-Führung vor einer Todesstrafe für Öcalan. Das wäre der ”Selbstmord des türkischen Staates”, berichtete die kurdische Nachrichtenagentur DEM (Köln) unter Berufung auf den militärischen Arm der PKK. Dann wäre jede Art des Kampfes legitim, um die Ehre und den Stolz des kurdischen Volkes zu schützen, hieß es.

In ihrem eineinhalbstündigen Plädoyer zitierte die Anklage aus Öcalans Aussagen vor Gericht: ”Es ist wahr, daß ich die Arbeiterpartei Kurdistans gegründet habe. Es ist auch wahr, dass ich der Chef dieser Organisation war, und unter meiner Führung haben wir einen bewaffneten Kampf in der Türkei begonnen”, sagte Öcalan in der vergangenen Woche vor Gericht auf der Gefängnis-Insel Imrali.

Für diesen Angriff auf die Einheit des Staates müsse Öcalan zum Tode verurteilt werden, sagte die Staatsanwaltschaft. In der Türkei ist seit 1984 niemand mehr hingerichtet worden. Parlament und Staatspräsident müssten einer Hinrichtung ausdrücklich zustimmen. Die Staatsanwälte wiesen zudem darauf hin, dass der Kurdenführer seine Verbindungen zur PKK noch immer nicht abgebrochen habe.

Gleich zu Beginn des Prozesses am 31. Mai hatte Öcalan die Hinterbliebenen der Opfer des blutigen Krieges um Entschuldigung gebeten. Außerdem sprach sich der Separatistenführer für eine friedliche Lösung des Kurdenkonflikts aus. Bei Kämpfen zwischen der PKK und dem türkischen Militär sind in den vergangenen 15 Jahren rund 30.000 Menschen getötet worden.

Öcalan ist seit seiner spektakulären Festnahme in der kenianischen Hauptstadt Nairobi im Februar dieses Jahres auf der Insel Imrali im Marmarameer inhaftiert.

So organisiert die PKK Aktionen

Zentral gesteuerte Aktionen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) werden vor allem über “Kontakttelefone” organisiert. Dies sind entweder Privatanschlüsse von PKK-Sympathisanten oder öffentliche Telefonzellen. Handys dagegen kommen - da sie nicht abhörsicher sind - normalerweise nicht so häufig zum Einsatz wie nach den jüngsten Aktionen angenommen - bei wichtigen Aktionen herrscht sogar Handyverbot. Dies wurde aus Kreisen der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigt. Aufschluss über die Kommunikationsstrukturen gaben in der Vergangenheit zahlreiche Prozesse gegen PKK-Funktionäre.

Kontakttelefone werden häufig bei Sympathisanten eingerichtet, die außerhalb der PKK-Hierarchie stehen, um das Abhörrisiko zu verringern. Dort wie auch bei öffentlichen Fernsprechern werden bestimmte “Kontaktzeiten” vereinbart, zu denen Botschaften ausgetauscht werden - meist nach 22 Uhr. Um den jederzeitigen Informationsaustausch zu gewährleisten, sind die Aktivisten verpflichtet, ständig miteinander zu kommunizieren.

Die Kommunikation ist von unten nach oben abgeschottet, ein direkter Durchgriff eines unteren Funktionärs nach oben ist normalerweise ausgeschlossen. So ruft etwa der Stadtteilverantwortliche, der zum Beispiel 20 Leute unter sich hat, bei seiner Kontaktnummer an, um mögliche Anweisungen des Raumverantwortlichen entgegenzunehmen. Dieser wiederum erhält seine Befehle vom Gebietsverantwortlichen, der seinerseits mit dem Regionsverantwortlichen Kontakt hält. Damit ist es nahezu ausgeschlossen, die Kommunikationsstrukturen durch die Festnahme einzelner Funktionäre aufzudecken.

Experten gehen davon aus, daß auf diese Weise binnen 48 Stunden Demonstrationen mit 10.000 oder mehr Teilnehmern organisiert werden können. Dies funktioniert wegen der straff gegliederten Hierarchie innerhalb der PKK. Sie ist in Deutschland in drei Sektoren aufgeteilt, die sich in etwa zehn Regionen und mindestens dreißig Gebieten untergliedern, jeweils mit einem Verantwortlichen an der Spitze, der im Falle seiner Festnahme rasch ersetzt wird.

Kontaktnummern konnten in der Vergangenheit manchmal dann festgestellt werden, wenn sie sich in den Unterlagen festgenommener Funktionäre befanden. Manchmal gelingt es den Ermittlern aber auch, Handygespräche abzuhören - zum Beispiel dann, wenn gegen das Handyverbot verstoßen wird.

Die Kurden - ein Volk ohne Staat

Die Kurden sind ein Volk ohne Staat. Seit Jahrhunderten blieb dem durch Sprache (persisch), Geschichte und Kultur verbundenem Volk ein Nationalstaat versagt. Knapp die Hälfte der etwa 25 Millionen Kurden lebt in einem zusammenhängenden Siedlungsgebiet in der Türkei, der Rest verteilt sich hauptsächlich auf den Irak, Iran und Syrien.

Der Kampf für staatliche Unabhängigkeit oder Autonomie wird vor allem von der 1978 gegründeten marxistischen “Arbeiterpartei Kurdistans” (Partya Karkeren Kurdistan - PKK) unter Abdullah Öcalan geführt. Bei dem blutigen Konflikt zwischen PKK-Kämpfern und türkischen Soldaten verloren seit 1984 Zehntausende von Menschen ihr Leben. Auch der Irak duldet keine Eigenständigkeiten: Vor der Einrichtung einer Schutzzone im Nordirak 1991 hatte Bagdads Diktator Saddam Hussein unter anderem Giftgas gegen die dort ansässige kurdische Zivilbevölkerung eingesetzt.

In Deutschland leben etwa 500.000 Kurden - meist mit türkischer Staatsangehörigkeit. Seit Mitte der achtziger Jahre trugen Kurden ihren Kampf auch hier aus. Neben türkischen Staatsangehörigen und Einrichtungen zählten immer wieder mutmaßliche “Abweichler” und Mitglieder rivalisierender Gruppen zu den Opfern. Im November 1993 wurde die PKK vom Bundesinnenministerium verboten - ihre Strukturen blieben jedoch weitgehend erhalten.

Die Odyssee des Kurdenführers Öcalan

Der kurdische Separatistenführer Abdullah Öcalan hat seit vergangenem September erfolglos nach einem sicheren Aufenthaltsort gesucht, um dem Zugriff der türkischen Justiz zu entgehen. Die wichtigsten Etappen der Odyssee bis zu seiner Inhaftierung in der Türkei:

9. September: Unter dem Druck der syrischen Regierung verlässt der Chef der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) das Land. Von Syrien aus hatte er jahrelang den Kampf gegen die Türkei organisiert.

12. November: Aus Moskau fliegt Öcalan mit gefälschten Pass nach Rom und wird dort festgenommen. Er beantragt politisches Asyl. Ankara verlangt vergeblich seine Auslieferung.

27. November: Die Regierung in Bonn verständigt sich mit Italien darauf, dass der auch in Deutschland gesuchte Öcalan vor ein internationales Gericht gebracht werden soll. Aus Furcht vor Kurdenprotesten hatte Bonn auf einen eigenen Antrag zur Überstellung verzichtet.

16. Dezember: Per Gerichtsbeschluss erhält der mittlerweile in einer Villa in Rom untergebrachte PKK-Chef Bewegungsfreiheit. Der Arrest wird aufgehoben.

16. Januar: Öcalan verlässt Italien per Flugzeug. Über seinen weiteren Aufenthalt wird lange gerätselt: Mal wird er in Rußland vermutet, mal in Griechenland. Auch Holland, Belgien, die Schweiz und sogar Ostdeutschland geraten bis Februar als Verstecke und Zufluchten ins Gespräch.

16. Februar: Die Spekulationen haben ein Ende. Aus Erklärungen des türkischen Ministerpräsidenten Ecevit ergibt sich, daß Öcalan unter Einschaltung von Agenten des türkischen Geheimdienstes von der kenianischen Hauptstadt Nairobi aus in die Türkei gebracht wurde. Dort soll er vor Gericht gestellt werden. Ihm droht die Todesstrafe. Europaweit kommt es zu teils gewalttätigen Protestaktionen von Kurden.

Porträt: Abdullah Öcalan

Für die türkischen Behörden ist er ein Terrorist und Mörder, für seine kurdischen Anhänger ein Held und Freiheitskämpfer. In Europa war er in den letzten Wochen eine “unerwünschte Person”: Abdullah Öcalan (49), Führer der verbotenen separatistischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), ist eine Person, die zu Widersprüchen herausfordert. Von seinen ehemaligen syrischen Freunden fallengelassen, in Italien und den Niederlanden abgewiesen, in Deutschland trotz Haftbefehls nicht gewollt, wurden die vergangenen Wochen für Öcalan zur Odyssee quer durch Europa. Jetzt endete sein Versteckspiel und Leben im Exil bei seinen Häschern. Der schnauzbärtige, gedrungene Kurde muss sich nun in der Türkei vor Gericht für den Tod tausender Menschen verantworten.

Öcalan wurde 1949 als Landarbeitersohn in einem südostanatolischen Dorf bei Urfa nahe der syrischen Grenze in armen Verhältnissen geboren. Er besuchte die Universität in Ankara, wo er in den 70er Jahren Politikwissenschaften studierte. Dort beschäftigte sich Öcalan stark mit kommunistischen und nationalistischen Ideen. 1978 gründete er die kommunistische PKK, die für die Interessen der kurdischen Minderheit in der Türkei eintritt.

Der blutige Krieg gegen die Regierung in Ankara begann 1984, als PKK-Mitglieder zwei Militärposten im Süden Anatoliens überfielen. Der Kampf um ein unabhängiges Kurdistan hat nach Schätzungen bisher mehr als 30 000 Menschen das Leben gekostet. Darunter sind nicht nur Kurdenrebellen und türkische Soldaten, sondern auch viele Zivilisten. Ankara hat die “Terroristen” stets als politische Gesprächspartner abgelehnt und mit allen Mitteln bekämpft.

Unter dem Schutz des syrischen Präsidenten Hafis el Assad leitete Öcalan mit harter Hand seine Guerilla-Organisation meist von Damaskus aus. Dies brachte die Türkei und Syrien im Herbst 1998 an den Rand eines bewaffneten Konflikts. Der Streit wurde erst beigelegt, als Syrien garantierte, die Unterstützung für die PKK einzustellen.

Der Mann mit den stechenden dunklen Augen versuchte seine Ziele teilweise auch in Deutschland durchzusetzen, wo etwa 500.000 Kurden leben. Immer wieder drohte Öcalan mit Anschlägen, bis er im August 1997 einen bedingungslosen Gewaltverzicht seiner Organisation in Deutschland verkündete.

Jugoslawien stimmt G8-Friedensplan zu

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic hat den internationalen Kosovo-Friedensplan akzeptiert.
Die Zustimmung erfolgte in einem dritten Gespräch Milosevics mit den Kosovo-Beauftragten der EU und Rußlands, Viktor Tschernomyrdin und Martti Ahtisaari.

Serbisches Parlament billigt Friedensplan

Kurz zuvor hatte auch das serbische Parlament in Belgrad den Friedensplan der G-8-Gruppe akzeptiert. ”Wir können in den kommenden Tagen eine Einstellung des Bombardements von Jugoslawien erwarten”, sagte der russische Balkan-Beauftragte Viktor Tschernomyrdin am Donnerstag nach der Billigung des Friedensplans im Belgrader Parlament.

In der Sitzung hinter verschlossenen Türen wurde der vorgelegte Friedensplan mehrheitlich angenommen. Nur die 82 Abgeordneten der extrem nationalistischen Serbischen Radikalen Partei stimmten dagegen, berichtete die Belgrader Nachrichtenagentur Beta. Die übrigen der 250 Volksvertreter sprachen sich bei einer Stimmenthaltung für den Plan aus.

Der Parteichef der Radikalen, der stellvertretende serbische Regierungschef Seselj, kündigte daraufhin den Rückzug seiner Partei aus der Regierung an.

Der G8-Friedensplan

Mit der Zustimmung zum G8-Friedensplan hat das serbische Parlament sein Einverständnis für den Rückzug aller jugoslawischen Einheiten aus dem Kosovo erklärt. Der Plan sieht der Nachrichtenagentur AFP zufolge die Stationierung einer Sicherheitstruppe unter UN-Verantwortung und mit ‘’substantieller Beteiligung der NATO” vor.

In dem Plan heißt es, sämtliche Einheiten des Militärs und der Polizei sowie paramilitärische Einheiten sollten aus dem Kosovo abziehen. Dies war von der NATO stets zur Vorbedingung für ein Ende der Luftangriffe erklärt worden. Die westlichen Staaten hatten den Einsatz von Bodentruppen solange abgelehnt, wie im Kosovo mit bewaffnetem Widerstand zu rechnen sei.

Der Friedensplan wurde von EU-Vermittler Martti Ahtisaari und dem russischen Sondergesandten Viktor Tschernomyrdin in Belgrad vorgelegt. Am Dienstag und Mittwoch war der Plan bei Verhandlungen auf dem Petersberg bei Bonn abgestimmt worden. Er wird von den USA, der Europäischen Union und Rußland mitgetragen. Der Plan beruht auf den G-8-Grundprinzipien, wie sie die Außenminister der sieben führenden Industriestaaten und Rußlands am 6. Mai in Bonn vereinbart haben.

Solana: Stationierung könnte sofort beginnen

Die NATO könnte nach Angaben ihres Generalsekretärs Javier Solana ”augenblicklich” mit der Stationierung von Friedenstruppen im Kosovo beginnen. In einem Interview mit dem Berliner ”Tagesspiegel” sagte Solana weiter, der Kern dieser Truppe sei schon vor Ort. 15.000 Soldaten der Allianz stünden marschbereit in Mazedonien, 8000 in Albanien. ”Wir haben also die Basis, um mit der Stationierung augenblicklich zu beginnen.” Und es würde auch nur sehr kurze Zeit dauern, bis die NATO die angestrebte Stärke von 50.000 Mann erreiche.

NATO-Offiziere sollen Friedensplan umsetzen

Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete unter Berufung auf einen Tschernomyrdin-Sprecher aus Belgrad, die Luftangriffe würden eingestellt, wenn in den nächsten Tagen eine Militärdelegation der NATO nach Belgrad reise, um mit der Umsetzung des Friedensplanes zu beginnen. ”Am Tag und in der Stunde, wenn die Generale der Allianz unter der Schirmherrschaft der UNO in Belgrad eintreffen, werden die Luftangriffe enden”, zitierte die Agentur den Sprecher des früheren russischen Ministerpräsidenten.

Tschernomyrdin habe diese Vereinbarung telefonisch aus Belgrad mit dem stellvertretenden US-Außenminister Strobe Talbott getroffen. Die NATO-Offiziere sollten unter anderem die Vorbereitungen auf den Abzug der jugoslawischen und serbischen Sicherheitskräfte aus dem Kosovo überwachen. Zudem hätten sie noch ”organisatorische Aufgaben” zu bewältigen.

UCK stimmt Friedensplan zu

Die Kosovo-Untergrundarmee (UCK) stimmt dem Friedensplan für das Kosovo zu. Dies sagte der politische Führer der UCK, Hashim Thaci, am Donnerstagabend im ZDF. Die UCK sei bereit, im politischen und militärischen ”Transformationsprozeß” mitzuarbeiten.

Belgard akzeptiert G-8 Friedensvorschlag

Jovanovic wendet sich in Brief an Fischer
In einem Brief an den deutschen Außenminister Joschka Fischer hat sein jugoslawischer Amtskollege Zivadin Jovanovic die Zustimmung der Belgrader Regierung zum G8-Prinzipienkatalog bestätigt. In einem Brief an den deutschen Außenminister Joschka Fischer hat sein jugoslawischer Amtskollege Zivadin Jovanovic die Zustimmung der Belgrader Regierung zum G8-Prinzipienkatalog bestätigt. Nach Angaben des staatlichen serbischen Hörfunks hat Jovanovic in dem Schreiben den Willen Belgrads bekräftigt, eine ”andauernde politische Lösung” zu finden. Dazu gehöre eine ”große Autonomie” für die südserbische Provinz Kosovo, gleichzeitig müsse aber die Souveränität Jugoslawiens geschützt werden. Der G8-Prinzipienkatalog sieht den Abzug serbischer Truppen aus dem Kosovo vor sowie die Sicherung der Flüchtlingsrückkehr durch eine internationale Friedenstruppe.

Das Auswärtige Amt hat den Erhalt des Briefes am Nachmittag bestätigt. Zuvor herrschte Unklarheit darüber, ob der Brief angekommen sei. Außenminister Fischer wollte am Vormittag zu dem Brief kein Kommentar abgeben. ”Ich habe nichts zu sagen”, erklärte er Reportern in Berlin vor seiner Rede vor europäischen Parlamentariern.

Der russische Kosovo-Vermittler Viktor Tschernomyrdin kommt heute erneut nach Bonn. Dort trifft er sich mit den Kosovo-Beauftragten der EU und der USA, dem finnischen Ministerpräsidenten Martti Ahtisaari und dem US-Vizeaußenminister Strobe Talbott. ”Wir fliegen mit neuen russischen Vorschlägen nach Bonn”, sagte Tschernomyrdin vor seinem Abflug in Moskau. Genauere Angaben machte er nicht.

Am Mittwoch will Tschernomyrdin sich in Belgrad mit dem jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic treffen. ”In Belgrad führen wir ein wesentliches Gespräch, und könnten gemeinsam ein positives Resultat erzielen”, sagte er. Der Kosovo-Beauftragte der EU, Martti Ahtisaari, wird ihn vermutlich begleiten. Ahtisaari betonte, es handle sich um keine eigentliche Verhandlungssituation. Vielmehr sollen der jugoslawischen Führung die Bedingungen für einen Frieden präsentiert werden.

China hat die Anklageerhebung gegen Präsident Milosevic vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag entschieden abgelehnt. Der Sprecher des Außenministeriums, Zhu Banzao, beschuldigte das Tribunal ”zu einem politischen Werkzeug der von den USA geführten NATO” zu werden. Zhu vertrat außerdem die Ansicht, dass für eine politische Lösung die Bombenangriffe eingestellt werden müssten.

Flammeninferno im Tauerntunnel

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Wien - Zwei Monate nach der Brandkatastrophe im Montblanc-Tunnel hat sich am Samstag im Tauerntunnel in Österreich ein ähnliches Inferno ereignet.
Nach einer Massenkarambolage - ausgelöst durch einen Lastwagen - brach im Tunnel der Autobahn-Verbindung nach Italien ein Feuer aus. Rauch und Hitze machten Rettungsversuche für Eingeschlossene nahezu unmöglich. Teile des Tunnels stürzten ein. Die Zahl der Opfer ist noch nicht abzuschätzen. Die Einsatzleitung berichtet von mindestens vier Toten, unter ihnen ein 27jähriger Lastwagenfahrer aus Hessen. Mindestens 30 Menschen wurden verletzt.
Unklar war am Samstagnachmittag auch noch, wie viele Menschen weiter eingeschlossen waren. Das österreichische Radio ORF berichtete unter Berufung auf Augenzeugen von mindestens drei weiteren Todesopfern. Die Tauernautobahn ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen durch die Alpen, die auch von vielen Urlaubern genutzt wird. In dem Tunnel waren zum Zeitpunkt des Unglücks auch Reisende aus Deutschland unterwegs.

Ein mit Lackprodukten beladener Lastwagen hatte gegen 5 Uhr am Samstag morgen die Massenkarambolage in dem 6,4 Kilometer langen Tunnel verursacht. Mindesten 50 Fahrzeuge waren in den Unfall verwickelt, mehrere von ihnen gingen in Flammen auf. 36 Menschen konnten nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA zu Fuß aus dem Tunnel flüchten. Sie berichteten von Horrorszenen im Tunnel. ”Wir rannten um unser Leben”, sagte ein deutscher Urlauber.

Wie schon im Montblanc-Tunnel konnten Rettungsmannschaften wegen der großen Hitze und des starken Rauchs nicht an den Unglücksort eilen. Sie liegt einen Kilometer von der Nordeinfahrt im Tunnel. Feuerwehrleute mussten wegen Temperaturen bis zu tausend Grad umkehren. Nachdem Teile der Betondecke des Tunnels eingestürzt waren, mussten die Rettungsversuche am Vormittag zunächst eingestellt werden. Für Eingeschlossene gebe es keine Überlebenschance, sagten Rettungskräfte.

Unmittelbar nach der Brandkatastrophe im Montblanc-Tunnel am 24. März hatten Experten in Österreich gewarnt, im Tauerntunnel könnte sich ein ähnliches Unglück ereignen. Daraufhin fand eine großangelegte Katastrophenübung im Tunnel statt, bei der Hunderte Rettungskräfte den Ernstfall probten. Kritiker warnten wiederholt, dass der Tauerntunnel ebenso wie der Montblanc-Tunnel nur aus einer Röhre für beide Fahrtrichtungen besteht. ”Jeder große Straßentunnel mit Gegenverkehr ist eine tickende Zeitbombe”, hatte der Verkehrschef des österreichischen Automobilklubs, Willi Matzke, bereits nach der Mont-Blanc-Katastrophe betont. Politiker hatten auf eine zweite Tunnelröhre bisher aus Kostengründen verzichtet. Der Landeshauptmann des Bundeslandes Salzburg, Franz Schausberger, forderte am Samstag den sofortigen Bau einer zweiten Tunnelröhre.

Nach Angaben von Experten vor Ort könnte es nach dem Unglück im Tauerntunnel Tage dauern, bis die Rettungskräfte zum Brandherd vordringen können und die Zahl der Opfer feststehen wird. Auch das Feuer im Montblanc-Tunnel war erst nach Tagen unter Kontrolle. Die meisten der damals 41 Todesopfer waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Riesige Verkehrsstaus

Folge des Infernos im Tauerntunnel waren am Samstag auch riesige Verkehrsstaus. Der ADAC berichtete von bis zu 60 Kilometer langen Autoschlangen und empfahl, das Unglücksgebiet weiträumig zu umfahren. Italienurlauber sollten zum Beispiel die Brenner-Autobahn benutzen. Der Tunnel wird wegen der Katastrophe wahrscheinlich für mehrere Wochen nicht zu befahren sein.

Immer wieder verheerende Brände in Tunneln

Brände in Tunneln sind ein Alptraum. Oft sind dabei viele Reisende zu Tode gekommen, oder es gab enorme Sachschäden. Vor dem Unfall im Tauerntunnel löste zuletzt im März eine Brandkatastrophe im Montblanc-Tunnel zwischen Frankreich und Italien Diskussionen über die Sicherheit in den Tunneln aus, die immer stärkeren Verkehrsbelastungen ausgesetzt sind. Eine Auswahl von Unglücken seit den siebziger Jahren:

14.02.1971 in Bosnien:
Der Frühzug Zepce-Zenica springt in einem Tunnel bei Vranduk aus den Schienen und gerät in Brand. 34 Menschen ersticken.

06.11.1972 in Japan:
In einem etwa 13 Kilometer langen Eisenbahntunnel bei Fukui bricht im Speisewagen des Kitaguni- Nachtexpreß ein Feuer aus. Die Rettungsmannschaften bergen 29 erstickte Reisende.

03.11.1982 in Afghanistan:
Im 2,7 Kilometer langen Salang-Tunnel nördlich von Kabul kollidiert ein im Konvoi fahrender sowjetischer Militär-LKW mit einem Tanklastwagen, der explodiert. In Feuer und Qualm sollen mehr als 700, wenn nicht gar 2.000 Menschen verbrannt und erstickt sein.

18.11.1987 in England:
Auf dem Londoner U-Bahnhof Kings’ Cross entwickelt sich ein Schwelbrand zu einem Inferno von Rauch und Flammen: 31 Tote. Unglücksursache war ein weggeworfenes brennendes Streichholz.

10.04.1995 in Österreich:
Bei einer Massenkollision im Pfändertunnel der Rheintalautobahn bei Bregenz gehen vier Autos in Flammen auf. Eine dreiköpfige Familie aus dem Ruhrgebiet verbrennt. Ein italienischer Autofahrer war in dem 6,7 Kilometer langen zweispurigen Tunnel auf die Gegenfahrbahn geraten.

28.10.1995 in Aserbaidschan:
289 Menschen ersticken und verbrennen in einem Metro-Tunnel in Baku. Mutmaßliche Unglücksursache war ein Kurzschluß in der Elektrik eines Waggons.

18.03.1996 in Italien:
In einem Autotunnel bei Palermo explodiert ein Tanklastzug, auf den ein Kleinbus aufgefahren war. Das Feuer greift auf 19 Autos über. Bilanz: Fünf Tote, 26 Verletzte.

18.11.1996 unter dem Ärmelkanal:
Im Eurotunnel gerät ein LKW auf einem Frachtzug in Brand. Erst nach fünf Stunden hat die Feuerwehr die Flammen unter Kontrolle. Von den in Sicherheit gebrachten etwa 30 Zuginsassen erleiden etliche schwere Rauchvergiftungen. Erst nach drei Wochen kann der Betrieb wieder aufgenommen werden. Der Schaden und die Finanzeinbußen der Tunnelgesellschaft sind mit mehr als 500 Millionen Mark immens hoch.

02.03.1999 in Deutschland:
In einem 1,7 Kilometer langen Tunnel der ICE-Strecke Hannover-Würzburg bei Göttingen gerät ein Eisenbahnwaggon mit Zellstoff und Papier in Brand. Die Feuerwehr braucht fast zwölf Stunden, um das Feuer zu löschen.

24.03.1999 im Montblanc-Tunnel zwischen Frankreich und Italien:
Ein mit Mehl und Margarine beladener belgischer Lastwagen geht in Flammen auf, das Feuer greift auf andere Fahrzeuge über. In dem Inferno sterben 41 Menschen, zahlreiche weitere werden verletzt. Das Feuer kann erst nach 24 Stunden gelöscht werden.

Wichtige Nord-Süd-Verbindung durch die Alpen

Der 6,4 Kilometer lange Tauerntunnel bei Salzburg ist neben dem Brenner die wichtigste Nord-Süd-Verbindung durch die österreichischen Alpen. Auch hunderttausende deutsche Urlauber benutzen Jahr für Jahr den Tunnel, für den Mautpflicht besteht.

Gemeinsam mit dem einige Kilometer südlicher gelegenen Katschbergtunnel verbindet der einröhrige Tauerntunnel die Bundesländer Salzburg und Kärnten. In den Hauptreisezeiten kommt es auf der Tauernstrecke immer wieder zu kilometerlangen Staus.

Die Sicherheitsmaßnahmen im Tauerntunnel sind in der Vergangenheit wiederholt kritisiert worden. Vor allem der Umstand, daß in dem Tunnel Gegenverkehr herrscht, stand im Mittelpunkt der Kritik.

Nach der Katastrophe im Mont-Blanc-Tunnel vor zwei Monaten hatten Experten den Bau einer zweiten Röhre für den Tauerntunnel gefordert. Bisher hatten Politiker dies unter Hinweis auf die hohen Kosten abgelehnt. Im April, nur wenige Wochen nach dem Mont-Blanc-Unglück, hatten Rettungskräfte eine Katastrophenübung im Tauerntunnel durchgeführt.

Anklage gegen Milosevic vor UN-Gerichtshof erhoben

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Die Chefanklägerin Louise Arbour vom Jugoslawientribunal in Den Haag hat Anklagen gegen den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic sowie vier serbische Politiker wegen Kriegsverbrechen im Kosovo erhoben. Die weiteren Angeklagten sind der serbische Präsident Milan Milutinovic, der serbische Innenminister Vlajko Stojiljkovic, der Generalstabschef Dragoljub Ojdanic und der jugoslawische Vizeregierungschef Nikola Sainovic. Ihnen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit, besonders Mord, Vertreibung und andere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Vor Journalisten machte Arbour deutlich, daß sich die Anklagen auf Straftaten ausschließlich seit Jahresbeginn im Kosovo beziehen. In den vergangenen fünf Monaten seien ausreichend Beweise für die persönliche Verantwortung der fünf zusammengetragen worden. Man habe mit der Anklageerhebung vor allem verhindern wollen, daß sie fliehen könnten.

In Belgrad hieß es, daß eine Anklage des Tribunals gegen den jugoslawischen Präsidenten ignoriert werde. ”Für uns existiert dieses Gericht nicht”, sagte der UN-Botschafter Jugoslawiens, Branko Brankovic, in Genf. Das Tribunal sei vom UN- Sicherheitsrat ohne entsprechendes Mandat eingerichtet worden und einzig eine politische Einrichtung.

Das russische Außenministerium erklärte in Moskau, daß die Anklage die Bemühungen um eine politische Lösung des Kosovo-Konflikts erschwere. Rußland werde seine diplomatischen Bemühungen um den Frieden jedoch unvermindert fortsetzen.

Gespräche in Moskau beendet

Die Moskauer Dreier-Gespräche zur Suche nach einer Lösung für das Kosovo-Problem sind beendet worden. Der finnische Präsident Martti Ahtisaari und der stellvertretende US-Außenminister Strobe Talbott begaben sich unmittelbar danach auf den Weg nach Bonn zu Gesprächen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, berichtete die Agentur Interfax. Der russische Jugoslawien-Sonderbeauftragte Viktor Tschernomyrdin hielt nach diesen Angaben an seiner Absicht fest, zu einer neuen Gesprächsrunde mit dem jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic nach Belgrad zu fliegen. Über das Ergebnis der Moskauer Gesprächsrunde wurden zunächst keine Angaben gemacht.

Fischer zum Balkan-Stabilitätspakt

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) hat nachdrücklich für den geplanten Stabilitätspakt für Südosteuropa geworben. Bei der Eröffnung einer Vorbereitungskonferenz für den Stabilitätspakt betonte Fischer, auch die Bundesrepublik Jugoslawien solle in dem Pakt Sitz und Stimme haben, wenn sie die Bedingungen der internationalen Gemeinschaft zur Lösung des Kosovo-Konflikts auf der Grundlage der Forderungen der G8-Staaten erfülle. An der Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn nehmen Regierungsvertreter aus fast 30 Ländern teil.

Diskussion um Bodentruppen

Der Einsatz von Bodentruppen wird in Bonn weiterhin abgelehnt. Zeitungsberichte, nach denen US-Präsident Bill Clinton den massiven Einsatz von Bodentruppen im Kosovo erwägt, wurden im Bundeskanzleramt skeptisch beurteilt. ”Man kann vieles in Zeitungen lesen”, sagte der außenpolitische Berater des Bundeskanzlers, Michael Steiner, im Südwestrundfunk. Clinton und Bundeskanzler Gerhard Schröder hätten erst kürzlich in einem Telefonat vereinbart, sich auf Luftangriffe zu beschränken. Daran habe sich nichts geändert. Auch der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, bekräftigte, ein Einsatz von Bodentruppen im Kosovo komme aus Sicht der CSU nicht in Frage.

Kreuzfahrtschiff gesunken… Alle Passagiere gerettet

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Kuala Lumpur/Singapur - Ein Kreuzfahrtschiff mit 1.100 Menschen an Bord ist vor der Küste Malaysias in Brand geraten und am Freitag früh gesunken. Nach Angaben der Reederei wurden alle 472 Passagiere und 632 Besatzungsmitglieder der ”Sun Vista” gerettet.

16 Menschen wurden leicht verletzt und mussten in Krankenhäusern auf der malaysischen Insel Penang behandelt werden. Fast die Hälfte der Passagiere sind Europäer. Die Fahrgäste sollen nach Angaben der Reederei im Laufe des Freitags mit einer Chartermaschine von der malaysischen Stadt Penang aus nach Singapur geflogen werden.

Die Reederei kündigte in Singapur an, die Passagiere würden für die ”Unannehmlichkeiten voll entschädigt”. Für den Rückflug sei eine Boing 747 der Singapore Airlines gechartert worden. Den Passagieren der für diesen Sonntag geplanten Anschluß-Kreuzfahrt will die Reederei eine Alternative anbieten.

An der Rettungsaktion etwa 60 Seemeilen vor der Küste waren 14 Schiffe beteiligt. Das auf den Bahamas registrierte Schiff war auf dem Weg von Phuket in Thailand nach Singapur, der letzten Etappe einer sechstägigen Kreuzfahrt, teilte die Reederei in Singapur mit.

Nach Angaben der Reederei war das Feuer im Maschinenraum bereits am Donnerstagnachmittag ausgebrochen. Um 15.15 Uhr Ortszeit kam es zu einem Ausfall der Stromversorgung. Um 19 Uhr wurden die Passagiere aufgefordert, die Rettungsboote zu besteigen. Am Freitag früh 1.20 sank die ”Sun Vista”.

Einige Passagiere berichteten über Panik an Bord. ”Wir haben alles verloren. Geld, Pässe, alle”“, sagt einer der Fahrgäste. Nach anderen Angaben wurden die Papiere von der Besatzung gerettet. „”Das Rettungsboot war völlig überladen”, berichtete der Brite Peter Andrews (76). ”Wir waren 76 Personen, es hätten nur 45 sein dürfen.”

201 Passagiere kamen nach den Angaben aus Europa: aus Belgien (drei), Großbritannien (146), Dänemark (fünf), Frankreich (drei), Deutschland (15), Italien (zwei), Niederlande (zwei), Spanien (zwei), Schweiz (23).

Vermittlungsbemühungen in der Kosovo-Krise

Mittwoch, Juli 16th, 2008

In der finnischen Hauptstadt Helsinki hat heute Bundeskanzler Schröder internationale Beratungen über eine politische Lösung der Krise auf dem Balkan aufgenommen.

Nach Abschluss der Gespräche in Helsinki reiste Schröder nach Italien weiter. Der Bundeskanzler hat dem finnischen Präsidenten Ahtisaari die volle Unterstützung der Bundesregierung und der Europäischen Union für seine mögliche Position als internationaler Vermittler im Kosovo-Konflikt zugesichert. Ahtissari wollte über seine anstehenden Gespräche mit US-Vizeaußenminister Strobe Talbott und dem Kosovo-Sondergesandten der russischen Regierung, Viktor Tschernomyrdin, noch keine Angaben machen. Auch ein Reisetermin in die jugoslawische Hauptstadt Belgrad stehe noch nicht fest.

Als Basis für die Vermittlungsversuche des finnischen Präsidenten nannte Schröder die Vorschläge der G-8-Gruppe. Der Mittler habe aber auch einen eigenen Handlungsspielraum.

Am Nachmittag traf der Kanzler in der Adriastadt Bari ein, um dort mit dem italienischen Ministerpräsidenten D´Alema Gespräche über die neueste italienische Friedensinitiative zu führen.

Ein Vertrauter des jugoslawischen Präsidenten Milosevic hat die Aufnahme von Gesprächen zwischen Deutschland, Rußland, den USA und Jugoslawien vorgeschlagen. Dann könne binnen einer Woche ein Abkommen erzielt werden. Der serbische Geschäftsmann Bogoljub Karic, der in dieser Woche zu Gesprächen mit amerikanischen Parlamentsabgeordneten erwartet wird, sagte in einem Interview mit dem US-Magazin ”Newsweek”, man wolle aber nicht verhandeln, solange die NATO weiter Jugoslawien bombardiere.

Der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar begann am Vormittag in Moskau Gespräche mit dem russischen Kosovo-Sondergesandten Viktor Tschernomyrdin.

Nach Abschluß der Unterredung äußerte sich Aznar optimistisch. Er erwarte in den nächsten Tagen einen Durchbruch für eine politische Lösung der Kosovo-Krise. Dem für Dienstag angekündigten Treffen von Tschernomyrdin mit dem finnischen Präsidenten Athisaari und dem amerikanischen Vize-Außenminister Strobe Talbott maß Aznar große Bedeutung zu. ”Wir können mit Recht in den nächsten Tagen einen Durchbruch in der Kosovo-Frage erwarten”, zitierte die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass den spanischen Ministerpräsidenten. Nach den Gesprächen mit den beiden Politikern will Tschernomyrdin erneut nach Belgrad reisen.

Der russische Kosovo-Sondergesandte forderte erneut ein Ende der NATO-Angriffe als notwendige Voraussetzung für die Aufnahme eines Friedensdialogs.

Der russische Außenminister Igor Iwanow flog heute nach Brüssel, um am Kooperationsrat der Europäischen Union und Rußlands teilzunehmen. Dort stand ebenfalls die Kosovo-Krise im Mittelpunkt der Beratungen. Nach der Konferenz mit seinen EU-Amtskollegen bekräftigte Iwanow seine Ansicht, daß eine Beilegung des Konflikts auf dem Balkan nur auf diplomatischem und politischem Weg möglich sei. Erneut forderte er einen sofortigen Stopp der NATO-Angriffe. Rußland sei aber auch bereit, an einer Resolution des UN-Sicherheitsrates mitzuarbeiten. Er betonte, daß die Beziehungen zwischen der NATO und Rußland aber wegen des Krieges eingefroren blieben. Dort gebe es keine Annäherung. Die Friedensinitiative des italienischen Regierungschefs Massimo D´Alema bezeichnete Iwanow als unvereinbar mit der Position Rußlands.

Kritik an italienischem Friedensplan

Der Friedensplan des italienischen Regierungschefs Massimo D´Alema stieß beim deutschen Staatsminister im Auswärtigen Amt, Günter Verheugen, auf Skepsis. Der Plan sieht eine Feuerpause der NATO für den Fall vor, daß China und Rußland einer UN-Resolution zustimmen. Falls die Führung in Belgrad darauf nicht reagiert, sollen nach dem Willen D´Alemas Bodentruppen zum Einsatz kommen. Im ”Info-Radio Berlin-Brandenburg” sagte Verheugen, der Plan enthalte noch einige Unklarheiten, da die bisherige Strategie der Allianz keinen Einsatz von Bodentruppen und kein einseitiges Aussetzen der Luftangriffe vorsehe. Gerade die Frage nach einem Bodentruppeneinsatz sei der Bundesregierung aber besonders wichtig, da ein solcher Plan unüberschaubare militärische und politische Risiken berge.

Auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat Bedenken an dem italienischen Friedensplan geäußert. Auf einer Vorstandssitzung seiner Partei sagte er, er halte es für problematisch, zuerst die Angriffe zu stoppen und dann zu verhandeln. Ohne Druck auf die Führung in Belgrad sei es schwer, eine Verhandlungslösung zu erzielen. Das hätten frühere Verträge gezeigt, die vom jugoslawischen Präsidenten Milosevic unterzeichnet und später gebrochen worden waren. Das größte Problem sei aber, daß der Friedensplan den Einsatz von Bodentruppen vorsehe. Dieses lehne die CSU ab.

Auch im Bundesverteidigungsministerium stieß der Plan des italienischen Regierungschefs auf Ablehnung. Staatssekretär Walther Stützle sagte, er kenne zwar nicht den genauen Wortlaut des Planes, wenn darin aber der Einsatz von Bodentruppen vorgesehen sei, werde sich nach seiner Ansicht keine Mehrheit für den italienischen Vorschlag finden.

Rußland zu Friedensbemühungen

Der designierte russische Regierungschef Stepaschin kündigte vor dem russischen Föderationsrat an, sein Land werde den bisherigen Kurs in den Bemühungen für eine politische Lösung der Krise auf dem Balkan beibehalten. Grundbedingung für Verhandlungen sei jedoch die Einstellung der Angriffe auf Jugoslawien.

Rugova in Brüssel

Der gemäßigte Führer der Kosovo-Albaner, Ibrahim Rugova, ist am Mittag zu Unterredungen mit den EU-Außenministern in Brüssel zusammengekommen. Die Sitzung steht im Zeichen des Kosovo-Konflikts. So geht es neben den Bemühungen, den Konflikt mit diplomatischen Mitteln beizulegen, auch um die Frage eines Stabilitätspaktes für den gesamten westlichen Balkan. Bundesaußenminister Fischer will den Balkan-Staaten eine langfristige Perspektive zu einem EU-Beitritt bieten. Dieses Angebot in die Integration europäischer Strukturen mache den Kern eines Stabilitätspaktes aus, sagte Fischer in seiner Eigenschaft als amtierender EU-Ratsvorsitzender.

Nach eigenen Angaben war Rugova vor seiner Ausreise nach Italien praktisch ein Gefangener der jugoslawischen Regierung. In einem Interview mit der ”Frankfurter Allgemeinen Zeitung” sagte er, der im April von ihm und dem jugoslawischen Präsidenten Milosevic unterzeichnete Appell für ein Ende der NATO-Angriffe sei daher bedeutungslos gewesen. Er habe versucht, einen Freiraum für seine Familie zu schaffen. Der Albanerführer bekräftigte in dem Interview seine Ansicht, daß die Angriffe der Allianz so lange fortgesetzt werden müssten, bis sich die serbischen Truppen aus dem Kosovo zurückgezogen haben und eine internationale Schutztruppe die Überprüfung des Rückzugs und eine sichere Rückkehr der Flüchtlinge möglich macht.

UN-Delegation in Belgrad

In Belgrad begann die Delegation der Vereinten Nationen heute in Begleitung von Regierungsvertretern, die Kriegsfolgen in der jugoslawischen Hauptstadt zu begutachten. Nachdem ihnen die Gebäudeschäden der chinesischen Botschaft und des serbischen Fernsehhauses vorgeführt worden waren, besuchten die UN-Vertreter die Frühgeborenenstation des Belgrader Krankenhauses. Im Laufe des Tages sollen sie auch noch mit Präsident Milosevic zusammenkommen. Das Ziel der UN-Mission ist, die Kriegsschäden im Kosovo zu begutachten. Die staatliche Nachrichtenagentur Tanjug beziffert die Kriegsschäden auf 100 Milliarden Dollar. 1.200 Zivilisten seien getötet und weitere 5.000 verletzt worden.

Parteiaustritte

Aus Protest gegen den Kosovo-Beschluss des Bielefelder Parteitags der Grünen haben fünf Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete der Grün-Alternativen Liste beschlossen, ihre Fraktion zu verlassen. Wie die GAL am Abend mitteilte, wollen die fünf eine eigene Gruppe bilden. Die rot-grüne Koalition in Hamburg ist aber nicht gefährdet. Gegen den Willen des linken Flügels hatte sich in Bielefeld eine Mehrheit lediglich für eine befristete Feuerpause in Jugoslawien ausgesprochen.

Anschlag auf Residenz des deutschen Botschafters

Vermutlich im Zusammenhang mit dem Krieg im Kosovo ist die Residenz des deutschen Botschafters in Griechenland gestern abend mit einer Panzerfaust beschossen worden. Verletzt wurde niemand. Hinter dem Anschlag steht nach bisherigen Ermittlungen der griechischen Polizei wahrscheinlich die Untergrundorganisation ”17. November”. Sie gilt als eine der gefährlichsten Terrorgruppen Europas